Das Denkmal der sieben Könige - 16.03.2016

Und weil es so schön warm ist, sind wir mal wieder auf Wanderschaft. Heute wollen wir zum Denkmal der sieben Könige, südlich von Hua Hin gelegen und auf keiner Karte so richtig verzeichnet. Das kann ja heiter werden. Wir tasten uns langsam heran, marschieren am Strand entlang und glauben uns nach etwas 2 h in der Nähe zu befinden. Jetzt gilt es dieses Denkmal in dem weitläufigen Gelände nur noch zu finden. Beschilderung ist mal wieder Fehlanzeige oder in Schriftzeichen. Da entdecken wir 3 Thai-Mädels und versuchen unser Glück. Leider kein Englisch, aber sie wollen uns trotzdem helfen. Mit Händen und Füßen versuchen sie uns zu erklären, wo wir hin müssen, deuten dann schließlich auf das Moped, welches eine von ihnen dabei hat und machen uns begreiflich, daß sie uns hinfahren will. Gesagt, getan, das wir zu dritt sind, ist hier überhaupt kein Problem. Wir steigen auf und wenige Minuten später lädt sie uns vor dem Denkmal ab und bevor wir noch richtig danke sagen können, ist sie auch schon wieder weg. Vielen Dank!

Schwimmende Affen - 08.03.2016

Wir sind unterwegs am Strand Richtung Tempelberg, der auch Affenberg genannt wird. Da staunen wir nicht schlecht. Den Herrschaften scheint es auch warm zu sein. Gleich am Fuß der Felsen plantschen ganz ausgelassen diverse Exemplare, jagen sich unter Wasser und springen von Stein zu Stein. Das sind doch mal wieder recht menschliche Züge, es sind schon spannende Wesen....

Tempelkirmes oder Kirmestempel? - 06.03.2016

„Wie kriege ich die Leute nur dazu, regelmäßig meine religiöse Stätte aufzusuchen?“ Diese Frage haben sich vermutlich schon tausende von Kirchenoberhäuptern in allen Ländern der Welt gefragt. Die Antwort ist doch ganz einfach: Biete den Menschen, was sie interessiert! Zum Beispiel eine Kirmes mit Riesenrad, farbenfroher Bühnenshow, lautstarkem Open-Air-Kino, Autoscooter, Kinderbelustigung, Bingo-Zelt und zahlreichen Verkaufsständen. Auf dem Tempelgelände! Wat Nong Kae in Hua Hin sei hier als Musterbeispiel genannt. Und weil das allabendliche Spektakel so schön ist, wird auch generös gespendet. Für die Erhaltung der Tempelanlage. Hauptsächlich natürlich für die Erhaltung des Kirmesplatzes. Und vielleicht auch für ein noch besseres Leben im Falle der Wiedergeburt...

Der Golfplatz - 01.03.2016

Oft ist die Lage eines Golfplatzes der Gradmesser für seine Beliebtheit. Auf schön angelegten Plätzen lässt es sich ganz entspannt putten. Ein vorzeigbares Landschaftspanorama trägt dann noch zusätzlich zum Wohlbefinden des Sportlers bei. 
Ist doch totaler Quatsch! Beschauliche Ruhe ist was für Ignoranten, der wahre Golf-Purist spielt seine 18 Löcher in Bangkok, und zwar zwischen den beiden Start- und Landebahnen des Don Mueang-Airports. Ohrenbetäubender Lärm ist hier garantiert. Und wenn man das Fairway verfehlt, wird es sogar gefährlich, schließlich gibt’s hier keine Zäune. Wir schauen bei der Landung aus dem Fenster. Und tatsächlich: Da wandern die Golfer in ihren karierten Hosen wieder dicht unter uns herum, beseelt vom ewigen Versuch, die perfekte Runde zu spielen.

Die Bootstour - 28.02.2016

Mister J hat, obwohl er die englische Sprache nur rudimentär beherrscht, ein dermaßen charismatisches Auftreten, dass wir sein Angebot für eine Bootstour einfach nicht ablehnen können. Mit seinem Longtailboat schippern wir in den von Mangroven gesäumten Flussarmen von Krabi-Town umher und sehen erstaunlich fette Fischmarder. Man möchte hier nicht schwimmen gehen. Wirklich nicht! Die Landschaft ringsherum allerdings ist einen Augenblick wert. Kalksteinfelsen der erstaunlichsten Art säumen das Flussufer. Sehr schön. Etwas später, auf einem hölzernen Ausleger, macht uns ein engagierter Fischfarmer mit seinen Zöglingen bekannt. Unglaublich schnell - fürs menschliche Auge gar nicht zu sehen - schnappen sich die Fische ihr Futter. Und es sind exotische Fische: Box-Fishes, Sharks, schlammfratzengleiche Alien-Fishes und der erstaunliche Ballon-Fisch. Dieser schmale Geselle, kaum zehn Zentimeter lang, pumpt sich in Notsituationen zu einem stachelbewehrten Handball auf. Piekst ein wenig. Ist wohl eine Stresssituation für den Fisch. Schnell zurück mit ihm ins Wasser.

Das Ampelgeheimnis - 26.02.2016 

Die Stadtverwaltung von Krabi in Südthailand hatte ein Problem: Die Verkehrsteilnehmer nahmen die Rotphasen der Ampelanlagen einfach nicht ernst. Also mussten Maßnahmen ergriffen werden, die ein unfallfreies Miteinander gewährleisten konnten. Der Idee eines visionären Bürokraten folgend, wurden Respekt einflößende Kreaturen an den Ampelkreuzungen installiert, und siehe da: Seit der Neandertaler und der Säbelzahntiger den Verkehr überwachen, gibt es keine Rotsünder mehr.

Langkawi - 23.02.2016

Auf der nordwestlichsten Insel Malaysias machen wir zehn Tage Strandurlaub. Es bleibt aber auch noch Zeit, ein wenig die Gegend zu erkunden und Erstaunliches zu entdecken. Zuerst mal wundern wir uns über die sonntägliche Betriebsamkeit. Ach so, der Sonntag ist hier ein Werktag, das Wochenende findet freitags und samstags statt. Dann kann man ja sonntags ganz entspannt einkaufen gehen. In einigen Supermärkten stolpern wir über Schilder, die den sofortigen Aufmarsch der Gleichstellungsbeauftragten zur Folge haben müsste. „Kein Bierverkauf an Muslime!“ steht es da unmissverständlich und mehrsprachig. Wollen wir mal hoffen, dass diese Art von religiösem Rassismus keine Abkehrwelle der Muslime von ihrem Glauben nach sich zieht.
Mit dem Moped haben wir eine Straße durch eine weitläufige Grünanlage entdeckt. Es geht steil bergauf, bis zu einem herrschaftlichen Anwesen. Drei Männer vom Sicherheitspersonal fragen, wo wir denn hin möchten. „Durch dieses Tor, auf das Gelände.“ Die Antwort des Security-Chefs überrascht uns ein wenig. „Geht nicht, dies ist der Palast des Königs.“ Ach so. Wir lassen dem Monarchen unsere besten Wünsche übermitteln und verabschieden uns wieder. Später erfahren wir dann, das der König einmal im Jahr alle Einwohner Langkawis zu einem gemeinsamen Essen einlädt. Das beliebte „Geburtstagsessen“ findet leider am Tag unserer Weiterreise statt. Schade, in königlicher Gesellschaft hätten wir auch ganz gerne mal gespeist...

Volk der Künstler - 10.02.2016 

Die Thais sind wahre Großmeister des Kunsthandwerks. Holzschnitzereien, Rattanmöbel und Silberschmuck sind gefragte Exportprodukte. Doch auch mit Pinsel und Farbe können sie trefflich umgehen. Viele Werbetafeln und sogar Verkehrsschilder stammen beim genaueren hinsehen nicht etwa von computergesteuerten Klebefoliendruckern, sondern von talentierten Handwerkern. Wer als Gästehausbetreiber etwas auf sich hält, lässt seine Herbergsfassaden selbstverständlich von einem lokalen Künstler veredeln. Und so findet man in fast jeder Gasse großformatige Landschaftsimpressionen oder merkwürdige Bildergeschichten, die aber alle eines eint: Die Liebe zum Detail.

Das Dorffest - 08.02.2016

Wir sind wieder mit Fahrrädern unterwegs. Auf einer Straße in ländlicher Gegend tauchen plötzlich und unerwartet Leute auf, die sowohl den spärlichen Verkehr regeln als auch als Parkeinweiser fungieren. Grund für den Menschenauflauf: Ein Dorffest. Wir hören Musik und sehen tanzende Menschen, also halten wir an. Sofort wird uns signalisiert, wir sollen uns dazugesellen. Thailändische Gastfreundschaft. Gerade werden auf einer Art Bühne Frauen des Karen-Bergstamms in ihrer traditionellen Tracht geehrt. Dann wird wieder getanzt, Linedance, zu merkwürdig thailändischer Westernmusik. Der nächste Programmpunkt ist ein Festmahl. Die Offiziellen in ihren feinen Anzügen und der Polizeihauptmann werden an einem Tisch auf der Bühne beköstigt. Uns, als den einzigen Fremden, wird ein Tisch in direkter Nachbarschaft zu den Karen-Frauen zugewiesen. Es gibt Suppe mit fettigen Schweinefleisch-klumpen für den Herrn und Gemüse mit Klebreis für die Dame. Viele Leute sind sehr um unser Wohlbefinden bemüht, es gibt reichlich Nachschlag, außerdem wird uns Kaffee, Tee und Wasser angeboten. Nachdem die Offiziellen in den feinen Anzügen ihren Tisch verlassen haben, kommt uns sogar noch die Ehre zuteil, deren Reste verzehren zu dürfen: Leckere frittierte Hähnchenstreifen. Langsam sind unsere Mägen aber mehr als gefüllt, es ist Zeit aufzubrechen. Wir bedanken uns in alle Richtungen, auch bei den Parkeinweisern und werfen noch einen Geldschein in die Donation-Box. Interessantes Fest mit überaus fürsorglichen Gastgebern, wir kommen gerne im nächsten Jahr wieder.

Das Elefantencamp - 07.02.2016

Wir sind mit dem Rad unterwegs, von Chiang Rai aus in die nahe gelegenen Berge, um den Stamm der Roten Karen zu besuchen. Die Karen-Männer kultivieren keinen Schlafmohn (Opium), wie die benachbarten Shan, sondern arbeiten häufig als Mahouts in der Holzwirtschaft, der europäische Markt schreit schließlich nach Teakhölzern. Ein Mahout „steuert“ die Arbeitselefanten beim Stapeln der Edelhölzer. Aber nicht jeder findet einen Job in den Teakwäldern, also werden Ritte auf den Dickhäutern für Touristen angeboten. Wir erreichen das Elefanten-Camp am frühen Nachmittag. Einige Rüsseltiere sind gerade mit den zahlenden Gästen auf ihrer lächerlich kurzen Routinerunde unterwegs. Die restlichen grauen Riesen stehen, kurz angekettet, traurig im Camp. Artgerechte Tierhaltung ist offensichtlich nicht das primäre Ziel des Reitabenteuer-Veranstalters. Verstört schwenken die Dickhäuter, die es von Natur aus gewohnt sind kilometerweite „Fresswanderungen“ zu unternehmen, mit den Köpfen. Klares Zeichen für Traumatisierung. Es ist gar nicht schön hier, schnell sind wir wieder weg.

White Tempel - 04.02.2016

Es sieht aus wie ein riesiges Knusperhäuschen mit Puderzucker, ist aber ein kurioser Mix aus Schloß Neuschwanstein und Disneyland. Die Tempelanlage Wat Rong Khun ist der Besuchermagnet in Chiang Rai. Ein Schauplatz moderner künstlerischer und architektonischer Schaffenskraft. Durch die weiße Farbe wirkt der Sakralbau befremdlich, denn Weiß ist die Farbe der Trauer in Thailand. Doch der Freigeist-Architekt Chalermchai Kositpipat sieht in der leuchtenden Farbe die Reinheit Buddhas. Und damit auch Buddhas Weisheit hell über der Erde scheint, hat er ein paar Millionen Mosaikstein-Spiegel verarbeitet. Wenn jetzt noch die Sonne scheint – und in Chiang Rai scheint sie fast täglich – dann strahlt die Tempelanlage wie keine zweite. Die Asiaten lieben das verschnörkelte Bauwerk, auch wegen der symbolhaltigen Ornamente und den vielen Fantasiegestalten, die mal als Tempelwächter, mal als Wegweiser fungieren. 2014 hatte ein Erdbeben besorgniserregende Schäden hinterlassen, der unentgeltlich arbeitende Kositpipat hatte sich bereits mit der Schließung abgefunden. Nachdem ihm jedoch viele Menschen aufmunterten, nahm er die Renovierung in Angriff. Und so treffen ununterbrochen Touristenbusse ein, mit Neugierigen aus allen Teilen Asiens.

Schuhe aus ! - 02.02.2016

Das Fernreisen hatte sich 1989 abrupt verändert: Der Mauerfall spülte plötzlich reiselustige Brüder und Schwestern in all die exotischen Länder, deren Existenz ihnen bis dahin verheimlicht wurde. Die Euphorie über die neu gewonnene Reisefreiheit war manchmal größer als der Respekt gegenüber den Gastgebern. Wir erinnern uns noch gut an eine Sächsin, die beim Anblick des ansprechenden Buffets in einer Ferienanlage in Gambia mit folgendem Aufschrei für Irritationen sorgte: „Igitt, gibt’s hier denn geen Gääseguuchn?“ Derselben Frau wurde nur wenige Stunden später die Aufmerksamkeit aller zuteil, als sie sich barbusig am Strand räkelte, bevor sie in ein Sammeltaxi stieg. Wir hatten Mühe, den verstörten Gambiern zu erklären, dass diese Frau zwar Deutsche sei, aber irgendwie auch (noch) nicht. Die Zeit des Fremdschämens hielt ein paar Jahre an, dann schien ein gewisser Lerneffekt bei den Ossis eingetreten zu sein.
Orts- und Zeitsprung: Wir befinden uns im historischen Park von Sukhothai, UNESCO-Weltkulturerbe. In einem Hinduistisch/Buddhistischen Tempel planen Mandy und Kevin (Namen von der Redaktion bewusst nicht geändert) ein kreatives Fotoshooting. Kevin soll sich zwischen den beiden Eingangssäulen platzieren mit dem Rücken zur Kamera, aber ohne Bodenkontakt, also mit den Armen seitlich abgestützt, irgendwie artistisch. Wichtig dabei ist, dass Kevin vorher sein T-Shirt auszieht, damit das großflächige Drachen-Tattoo auf seinem Rücken gut zur Geltung kommt. Und jetzt: Action! Mandy macht eine geile Fotostrecke. Die Situation ist so obskur, dass selbst zwei halbstarke Franzosen, die gerade den Tempel besichtigen wollen, kopfschüttelnd das Weite suchen. Kleiner Tipp: Wenn man in Thailand einen Tempel betritt, sollten Knie und Schultern bedeckt sein. Und ganz wichtig: Man hat seine
Schuhe auszuziehen, nicht das T-Shirt!

Die Radtour - 01.02.2016

In Sukhothai wollen wir mal das Tagesgeschäft der Landbevölkerung unter die Lupe nehmen, und zwar bei einer gemütlichen Radtour. Wir schnappen uns also die Singlespeed-Topmodelle der heimischen Manufakturen Crocodile (Susanne) und Ben Hur (Ralf) und flitzen los, immer am Fluß entlang. Schon bald tauchen wir ein in die ländlichen Außenbezirke. Hier geht alles etwas geruhsamer vonstatten. Wir passieren Reisbauern, die auf den üppig grünen Feldern die Grundlage für eine gute Ernte schaffen und Kampfhahnzüchter, die einfach gar nichts tun. Hier und da wird ein wenig Brandrodung betrieben, dann fordern bedenklich verrottete hölzerne Hängebrücken über den Yom River unseren Mut heraus. Der Ausflug ist also geruhsam und spannend zugleich, hinter der nächsten Flußbiegung taucht eine Tempelanlage auf und dann treffen wir auf Wegelagerer, die fremde Langnasen nicht so ohne weiteres passieren lassen wollen. Um nicht als Memme zu gelten, muß jetzt der selbstgebrannte Reisschnaps der gastfreundlichen Leute geext werden. Prima Idee bei der tropischen Hitze in der Mittagszeit. Aber wer will schon als Memme tituliert werden? Und siehe da: Der Schnaps ist geschmacklich ganz okay und gibt einen unerwarteten Energieschub. Khop Kuhn Krab/Vielen Dank und bis bald! Der nächste Grund zum Anhalten und Zuschauen sind vier Fischerinnen, die mit einer cleveren Bambusstab/Fischernetz-Konstruktion hüfttief im Fluss stehen und das ca. 3m² große Netz von Zeit zu Zeit ruckartig nach oben reißen. Der Ertrag ist durchaus nennenswert, die Fische sind zwar klein, aber die Menge machts. Die selbstgeschneiderten Fischerhosen aus Reissäcken hingegen sind zwar modisch ziemlich en vogue aber leider nicht wasserdicht. Wie heißt es doch im thailändischen Volksmund: Wer schön sein will, muss leiden!

Die Rose des Nordens - Chiang Mai - 25.01.2016

König Mangrai, Herrscher des von ihm selbst gegründeten Königreichs Lanna in Nordthailand, war ein gewiefter Politiker. Unter anderem gründete er mit den Königen Ramkhamhaeng von Sukhothai und Ngam Mueang von Phayao eine wirkungsvolle Allianz, um den Vormarsch der Mongolen zu stoppen. Bei diesen Dreikönigstreffen fiel ihm auf, dass seine Standesgenossen über repräsentative Domizile verfügten, während Mangrai noch bescheiden an einer Biegung des Flusses Ping residierte. Um die Macht seines Reiches zu dokumentieren, sollte also eine prachtvolle Stadt erbaut werden, die als Rose des Nordens Bekanntheit erlangen solle. Und so geschah es: 1296 war Grundsteinlegung für die von Wassergräben umschlossene und umwallte neue Hauptstadt Chiang Mai. Damit der Reichtum seines Landes gut zur Geltung kommen konnte, mussten etliche Prachtbauten errichtet werden. Wer hätte die Bautätigkeiten besser überwachen können, als der Auftraggeber selbst? Und so lebte der König in der Hochzeit seiner architektonischen Schaffensphase ganz unbescheiden in der Tempelanlage Wat Chiang Man. Keine schlechte Unterkunft für einen Bauleiter...

Der Nachtzug - 21.01.2016

Die Strecke von Bangkok nach Chiang Mai wollen wir mit dem Nachtzug zurücklegen, angeblich erwartet uns am Morgen ein traumhaftes Landschaftspanorama. Noch sitzen wir allerdings in der Wartehalle des Hualamphong Bahnhofs und schauen uns den Trubel an: Reisende kommen, Reisende gehen. Reisende haben verschiedene Beweggründe zu reisen: Touristen wollen Land und Leute kennen lernen. Thai-Familien besuchen offensichtlich Verwandte. Geschäftsleute hecheln zu ihrem nächsten Termin. Die quirlige Metropole Bangkok kommt augenscheinlich nie zur Ruhe. Und dann das: Punkt 18:00 Uhr ertönt die Nationalhymne knarzend aus den Lautsprechern. Alle Leute stehen auf. Jegliche Tätigkeit wird eingestellt. Ein kurzer Moment des Innehaltens. Schönes Schauspiel. An unserem Bahnsteig pöttern derweil zwei Dieselloks vor sich hin. Von einem Sauerstoffüberschuss unter dem Blechdach zu reden, käme Schönfärberei gleich. Um kurz nach 21:00 Uhr können wir dann unser Abteil betreten. Der Zugbegleiter ist gerade damit beschäftigt, die Sitzbänke zu Betten umzubauen. Das untere Bett hat ein Fenster. Das obere leider nicht, dafür ist es dem Ventilatorwind voll ausgeliefert. Schade eigentlich, denn wir hatten extra ohne Air-Condition gebucht, um nicht so dem Wind ausgesetzt zu sein... Na ja, wird schon gut gehen. Der Blick aus dem Fenster in der Morgendämmerung beschert uns dann aber das angekündigte Panorama: Die Bahnlinie verläuft mitten durch üppige Vegetation. Das satte Grün zieht sich bis zum hügeligen Horizont und wird nur manchmal durch schmale Lehmpisten zerschnitten. Bambuswälder, Bananenstauden und zahlreiche unbekannte exotische Gewächse ziehen gemächlich an uns vorbei. Ab und an halten wir an kleinen Bahnhöfen, die allesamt kunst- bis liebevoll dekoriert sind und von den Bahnhofsvorstehern beherrscht werden. Erst wenn dieser hochrangige Offizier würdevoll die grüne Flagge hebt, kann es weitergehen. Unser „Express-Zug" benötigt schlappe 14 Stunden für die knapp 700 km von Bangkok nach Chiang Mai. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Hier bekommen wir noch etwas geboten für unser Geld.

Die Kreuzfahrt!  13.01.-20.01.2016

Direkt zu Beginn unserer Reise gönnen wir uns ausnahmsweise mal einen maritimen Genusstrip: Eine Wochentour auf einem Kreuzfahrtschiff, wir sind also in einem für uns ungewohnt rasanten Reiserhythmus unterwegs. Jeden Tag erwarten uns neue Küsten, Inseln, Länder und Eindrücke. Diese Schnelllebigkeit hatten wir ja fast schon verlernt! "Einschiffen" ist in Singapur, bekannt auch als weltweit bedeutendster Containerumschlaghafen. Der vollgeparkte Ankerplatz in der Marina Bay belegt dies eindrucksvoll. Auf der angeschütteten Landseite gibt es hingegen eine besondere Skyline zu bewundern: Der Singapur-Flyer (Höchstes Riesenrad), der Bay South Garden (Naturerlebnispark) und das Marina Bay Sands (Hotel mit dem höchst gelegenen Swimmingpool). Nach dem stimmungsvollen Auslaufen geraten auch wir in die "Kreuzfahrt-Routine": Irgendwie hat es ja Stil, in einer milden Januarnacht gemütlich im Cocktailsessel auf dem Oberdeck zu sitzen. Gemächlich ziehen wir an den kleinen Fischerbooten vorbei, die mit grellen Halogenlampen die Tintenfische anlocken. Wir durchfahren die Meerenge zwischen Malaysia und Indonesien. Erinnerungen an viel zu viele Piratenüberfälle in dieser Straße von Malakka kommen auf, aber die Zeiten sind wohl vorbei. Unser erster Stop ist der Hafen von Port Klang, nicht gerade attraktiv (vermutlich der zweitgrößte Containerhafen der Welt). Die Idee ist, von hier aus eine Stunde lang nach Kuala Lumpur zu fahren. Abgelehnt! Im Gegensatz zu den "Landgängern" lassen wir es uns auf dem nun fast verwaisten Schiff gut gehen, entern das Fitness-Studio und genießen im Anschluss die Cocktails. Auf Langkawi (Malaysia) wollen wir uns doch mal ein wenig umschauen, also gehen wir von Bord und machen uns zu Fuß auf den Weg. Es ist ganz schön heiß und schweißtreibend im Ort Cenang. Die rege Bautätigkeit mit dem verbundenen Lärm am Südstrand Pantai Tengah münden in der Erkenntnis: Aktuell nichts für Erholungssuchende. Traumhaft schön hingegen sind der weiße, feinsandige Strand Pantai Cenang und später der Blick von Bord über die 99 Kalksteininseln, die sich üppig bewachsen aus dem türkisfarbenen Wasser erheben. Am nächsten Tag erwartet uns Patong auf Phuket (Thailand), nur eine kurze Fahrt mit dem Tenderboot entfernt. Etwas abseits der allgemeinen Laufwege entdecken wir tatsächlich Strände, die nicht völlig überlaufen sind. Allerdings auch nicht Reiseprospekt tauglich. Zurück zum Patong Beach: Unerträglich überfüllt, dafür aber lärmend und verschmutzt. Schnell zurück an Bord. Um die Eindrücke in der Andamanensee zu vervollständigen, gehen wir am folgenden Tag dann auch in Penang (Malaysia) an Land, um uns die trubelige Stadt Georgetown anzuschauen. Der folgende Seetag kommt dann gerade recht, um den Puls wieder runterzufahren, bevor wir in Singapur von Bord gehen. Die Schiffstour war geil, kann man echt mal machen. Aber wir sind froh, den Luxus leben zu dürfen, nicht immer in dieser Turbogeschwindigkeit Ort für Ort „abarbeiten zu müssen“. Fröhlich drauflos reisen, und dort hängen bleiben, wo es (vielleicht auch unerwartet) schön ist. Das ist es, was als nächstes kommt...

Singapur, 12.01.2016

Wir landen um 15:15 Uhr Ortszeit in Singapur, der Pilot hat es tatsächlich geschafft, die fette Verspätung seit dem Start in London „rauszufliegen“. Die „Stadt der Löwen“ empfängt uns mit hoher Luftfeuchtigkeit und diesem unvergleichlichen, würzigen Duft, der so charakteristisch für das südliche Asien ist. Wir ziehen ein paar Singapur-Dollar aus dem ATM und testen den öffentlichen Nahverkehr. Singapur nimmt ja bekanntlich einen Sonderstatus unter allen asiatischen Metropolen ein: Ordnung, Sauberkeit, Funktionalität und Effizienz herrschen in einem Maße vor, der jeden beeindruckt. Und so kommt die Metro pünktlich und sie fährt pünktlich, sie ist sauber, gut klimatisiert und nicht überfüllt.Das gleiche gilt für die anschließende Busfahrt. Der Bus allerdings muss im Gegensatz zur Metro, wo alles vollautomatisch ohne Personal abläuft, noch einen Fahrer beschäftigen. Dieser jedoch ist freundlich und entlässt uns an der richtigen Straßenecke. Unser kleines Hotel für die erste Nacht liegt in Geylang, dem Rotlichtviertel in Chinatown. Und hier hat sich selbst Singapur einen gewissen Charme erhalten: Es ist ein wenig wuselig, schmuddelig und das Rauchverbot in der Öffentlichkeit wird auch nicht allzu ernst genommen. Wir lassen uns treiben, nehmen die erste asiatische Mahlzeit ein und ergeben uns dann der Müdigkeit: Ab ins Bett. Punkt halb zwei nachts sind wir wieder munter, dem Jetlag sei dank. Eine Stunde lesen, dann der zweite Schlafversuch. Und der klappt: schlafen, bis der Wecker rappelt!