Der Countdown läuft - unsere Rückkehr steht bevor!  27.03.2012

Unsere letzten Stunden sind angebrochen. Wir machen noch ein wenig Bangkok unsicher, beobachten die Warnstreiks in Deutschland und hoffen, daß wir nicht noch in letzter Sekunde betroffen sein werden. Morgen geht es los, ab nach Hause... Wir hatten und haben immer noch eine wunderschöne Zeit. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen....

Thailand - Phuket und Bangkok  25.03.2012

Auf der Insel Phuket wohnen wir direkt neben einer Schule. Das morgendliche Wecken übernehmen also die Kinder, allerdings nicht mit ausgelassenem Geschrei, sondern in Form der Schulkapelle. Die fortgeschrittenen Musikanten stehen in ihren Schuluniformen vor dem Haupteingang und spielen Trompete oder schlagen auf Trommelfelle ein. Der Musiklehrer überwacht das Konzert und erklärt uns erfreut, dass dank dieser Lösung der Musikunterricht schon erledigt ist, bevor der eigentliche Unterrichtstag beginnt. Die Tempelanlage Wat Chalong wird von der Großen Pagode mit dem schönen Namen Phramahathatchedi-Jomthaibarameepragat dominiert. Dieses farbenfroh dekorierte Gebäude beherbergt einen Knochensplitter Buddhas, was für tägliche Besucherströme sorgt. Besonders beliebt ist Wat Chalong aber auch wegen seiner „Wahrsager-Tradition“. Gegen eine kleine Spende kann man einen Bambusbecher, gefüllt mit nummerierten Stäben rütteln. Die Nummer des ersten Stabes, der aus dem Becher fällt, führt zu ebenfalls nummerierten Schubladen, in denen Weissagungen stecken. Wie groß die Trefferquote ist, wird uns bald bewusst, denn die Gläubigen kommen, sobald die Vorhersage eingetroffen ist, zum Tempel zurück und lassen zum Dank Feuerwerkskörper in speziellen „Knalleröfen“ explodieren. Und so wabert ein steter Schwarzpulvergeruch über das Gelände, während es fast unentwegt kracht. Unsere Bergwanderung zum „Big Buddha“ wird dank der hohen Luftfeuchtigkeit zu einer schweißtreibenden Aktivität. Doch der Aufstieg lohnt sich nicht nur wegen der guten Aussicht auf die vielen Inseln der Andamanensee. Die 45 Meter hohe und mit Marmorplatten überzogene Statue ist ein Monument des Volkes, da sie rein aus Spendengeldern errichtet wurde. An diversen Verkaufsständen werden fertig gepackte Geschenkkörbe angeboten, die die Gläubigen den Dienern Buddhas überreichen. Aber ob die Mönche sich wirklich über Seifendosen, Wattestäbchen, Glühbirnen und Tütensuppen freuen? Eine der „grünen Lungen“ Bangkoks ist der Lumpini-Park. Sportler joggen auf den Wegen, verliebte Pärchen sitzen gemütlich am Seeufer und die Rasenflächen werden für Picknicks genutzt. Am Rande des Parks befindet sich das Lumpini-Stadion, hier finden die Kämpfe der besten Thaiboxer statt, und zwar stets vor stimmungsvoller Kulisse. Der Besuch lohnt sich selbst dann, wenn man für den Nationalsport Thailands nicht viel übrig hat. Ein Orchester sorgt für exotische Töne und die Atmosphäre auf den Rängen ist schon vor Beginn der Kämpfe aufgeladen. Denn bevor es los geht, werden Wetten auf die Sieger abgeschlossen. Die „Zocker“ stehen im Publikum und suchen ihre Partner auf entfernten Tribünen per Blickkontakt. Wetteinsatz und Favorit werden per Handzeichen signalisiert. Sobald der Kampf beginnt, werden die Athleten lautstark angefeuert, schließlich geht es nicht nur um die Ehre. Nachdem der Verlierer senkrecht oder waagerecht den Ring verlassen hat, wird der Einsatz auf unkonventionelle Art ausgezahlt: Die Geldbündel werden einfach von Hand zu Hand durchs Publikum weitergegeben, bis sie den Wettgewinner erreichen. Der verzieht kaum eine Miene, denn er sucht auf den Tribünen ja schon seinen nächsten Wettpartner...

Thailand - Hua Hin  20.03.2012

Willkommen im Jahr 2555, willkommen in der Gegenwart. In Thailand wird, wie bei uns auch, der gregorianische Kalender benutzt. Allerdings begann die Zeitrechnung in Siam bereits mit dem Tod Siddhartha Gautamas, der als Buddha einen bemerkenswerten Bekanntheitsgrad erlangte. Dieses Wissen hilft uns beim Ticketkauf für eine zehnstündige Busfahrt jedoch wenig. Das auf dünnem Papier ausgedruckte Dokument weist außer Thai-Schriftzeichen nur das Abfahrtsdatum auf - eben das Jahr 2555. Englisch ist an diesem Provinzbusbahnhof so hilfreich wie die kölsche Mundart, nämlich gar nicht. Wir vertrauen also dem Ticketverkäufer und machen es uns im Bus bequem. Ein überlauter Actionfilm verhindert entspanntes Schlummern, dafür stimmt tatsächlich die Fahrtrichtung. Nachts um 1:30 Uhr werden wir unsanft geweckt, denn ein riesiger Schlemmerpalast, hell erleuchtet wie die Cranger Kirmes nach einem Schalker Heimsieg, erwartet hungrige Gäste. Unsere schläfrige Appetitlosigkeit ist die Ausnahme, die meisten Passagiere der unentwegt eintreffenden Busse drängen zielstrebig an die Tische. Wir verteten uns kurz die Beine und suchen die Toilette auf. Die Sanitäranlagen können jedoch nicht mit dem modernen Verkaufstempel mithalten. Statt der erwarteten Wasserspülung gibt es die traditionelle, ländliche Variante: Einen wassergefüllten Plastikeimer mit einer Schöpfkelle.

Die weitere Fahrt verläuft reibungslos und noch vor Tagesanbruch werden wir in Hua Hin abgesetzt. In der Morgendämmerung wandern kahl rasierte Mönche barfuß durch die Straßen. Gläubige Buddhisten bieten ihnen Reisgerichte an und sprechen Dankgebete, wenn die Geistlichen die Spenden annehmen. So ist beiden Seiten geholfen, die mildtätigen Bürger haben einen weiteren Schritt zu einer besseren Existenz bei ihrer Wiedergeburt gemacht und die Mönche müssen nicht hungern.

Ein paar Straßen weiter kündigt ein Plakat in Thai-Schriftzeichen die Austragung eines Fußballspiels an - so haben wir es zumindest interpretiert. Doch statt eines brisanten Derbys findet die Saisoneröffnungsfeier mit Spielerpräsentation des "Hua Hin City FC" statt. Da wir die einzigen exotischen Besucher des Festgeländes sind, werden wir kurzerhand als "Maskottchen" adoptiert und in das Mannschaftsfoto integriert. Zu den Klängen der Champions-League-Melodie schiessen die Journalisten eifrig Fotos. "Ein bisschen deutsche Entwicklungshilfe kann unserem aufstrebendem Team sicher nicht schaden", meint der Manager augenzwinkernd.

Indonesien - Bali - Die Fortsetzung  01.03.2012

Mit einem gemieteten Moped schauen wir uns so entspannt, wie es der chaotische Linksverkehr und die Schlaglöcher zulassen, die reizvolle Berglandschaft an. Die Postkartenmotiv-Reisterrassen und der höher gelegene Vulkankratersee „Lake Batur“ bieten angenehme Kontraste zu den völlig überlaufenen Touristenorten Kuta und Legian. Mit dem Moped werden wir mehrfach von Polizeistreifen angehalten. Das Prozedere kennen wir schon. Die Beamten picken sich bewusst „Langnasen“ heraus, um sich fremdartige Führerscheine angucken zu können. Dann werden wir freundlich wieder in den lebhaften Verkehr entlassen. Der „Heilige Affenwald“ ist auch einen Besuch wert. Allerdings sollte man einen gebührenden Abstand zu den Pavianen halten. Die Affen machen sich nämlich einen Spaß daraus, Touristen die Mützen und Sonnenbrillen zu klauen, wie wir hautnah erleben können. Später entdecken wir in einer palmenbewachsenen Talsenke eine Kirmes. Wir parken das Moped und schlendern über den Rummelplatz. Es gibt diverse Stände, an denen man sich mit entsprechendem Glück oder Geschick einen Preis sichern kann. Ein einfaches, aber liebevoll bemaltes Kinderkarussell lockt die kleinen Kunden mit fröhlichen Kinderliedern, und nicht etwa mit ungeeigneten Schlagern, wie in Deutschland üblich. Das Riesenrad im Miniformat hingegen weckt unser Interesse, da es noch von einem laut ratternden und stinkenden, offen zugänglichen Dieselaggregat angetrieben wird. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung und die Besucher verzehren eine Menge Snacks und Getränke. Die anscheinend tief verankerte Wegwerfmentalität führt zu einem völlig verdreckten Kirmesplatz. Leider ist die Abfallproblematik nicht auf das Festgelände beschränkt. In den Flüssen, am Strand, auf den Marktplätzen und vor den Tempeln türmt sich der Plastikmüll. Die durchaus fleißigen Müllkehrer sorgen kurzzeitig immer wieder für oberflächliche Sauberkeit, allerdings wird der Abfall oft nur hinter den nächsten Zaun geworfen. Die Sensibilisierung für die Umweltproblematik steckt noch in den Kinderschuhen, aber es sind erste Anzeichen der Besserung zu erkennen. So treffen wir morgens die Schuldezernentin Audi, die das Projekt „Go Green“ beaufsichtigt. Unter ihrer Leitung wird ein Mangroven-Schutzgebiet von Schulkindern aus verschiedenen Städten gesäubert. In Sanur verbringen wir zum Abschluss unseres Indonesienaufenthaltes ein paar Strandtage, sozusagen „Urlaub während der Reise“. Die Balinesen sind echte Wasserratten, bei Ebbe toben sie zu Hunderten im Wasser herum, doch sobald die Flut kommt, sind sie verschwunden. Obwohl sie auf einer Insel leben, können sie anscheinend nicht schwimmen. Für uns ist es nun auch Zeit Abschied zu nehmen. Unsere Zeit auf Bali geht zu Ende. Thailand wir kommen!

Indonesien - Bali  27.02.2012

„Galungan, Galungan!“ Die Taxifahrer wollen uns einfach nicht nach Ubud fahren. Sie wollen sogar überhaupt nicht fahren. Es ist Galungan, der Tag, an dem auf Bali die Geister der Vorfahren für zehn Tage zu ihrer Familie auf die Erde zurückkehren. Die Balinesen tragen ihre schönsten Trachten und sind augenscheinlich alle unterwegs zu einem Tempel. Irgendwann finden wir doch noch einen Fahrer, der seine religiöse Zeremonie bereits hinter sich hat. Stolz berichtet Nyoman über die traditionellen Riten: Vor jedem Haus stehen riesige Bambusmasten, die aufwändig mit verschlungenen Spiralen aus Kokosblättern und Blumen verziert und mit einem kunstvoll gefertigten „Tempel“versehen sind. In diesen Tempeln stehen aus Palmblättern gefertigte Opferschalen, in dem sich all das befindet, was die Götter den Hausbewohnern gebracht haben: Reis, Früchte und Kekse entdecken wir zwischen Blumenblüten und Räucherstäbchen, aber auch Münzen, Getränke oder Zigaretten. Es geht oft nur im Schritttempo voran, die unzähligen Tempel können die Besucherströme kaum fassen und mystische Drachengestalten sowie Gamelanorchester bevölkern die Straßen zusätzlich. Jeder noch so kleine Weg ist prachtvoll geschmückt und es ist eine echte Augenweide, gemächlich mit Nyoman über die Insel zu rollen.

In Ubud angekommen, müssen wir einen mehrfach verwinkelten Weg durch den tropischen Garten zu unserer Unterkunft entlanggehen, und zwar aus gutem Grund, denn „böse Geister können nicht um die Ecke gehen.“ Dermaßen gut behütet nehmen wir unseren Zimmerschlüssel entgegen, der doch tatsächlich ein heimatliches Produkt darstellt: Der Schlüssel besitzt zwei Prägungen: „Made in Germany“ und „Soligen“. Leider fehlt bei „Solingen“ das erste „n“, also handelt es sich offensichtlich um eines der vielen Plagiate, die in Indonesien kursieren. Ubud selbst gilt als künstlerischer Hauptort Balis. Kilometerlang reiht sich ein Geschäft neben das andere. Es gibt Modeschmuck, Textilien, traditionelle Holzschnitzereien und Steinskulpturen in allen erdenklichen Formen und Farben. Ein Traum für alle Shoppingwütigen!

Bye-bye Australia - Indonesien Wir kommen!  15.02.2012

Nun ist es Zeit, sich aus Australien zu verabschieden. Die drei Monate sind tatsächlich schon um und nach einem Abstecher nach Freo (Freemantle) entschließen wir uns, die letzten beiden Tage in einen Nationalpark zu fahren und uns noch einmal an exotischen Tieren und üppiger Natur zu erfreuen. So machen wir eine schöne Wanderung, genießen die Natur mitsamt Wasserfall und Naturpool und kitzeln zum guten Schluss noch ein paar Kängurus. Wir räumen unsere Sachen aus dem lieb gewonnenen Campmobil und packen die Rucksäcke. Es passt tatsächlich noch alles rein! Bevor der Abschied naht, schauen wir uns noch ein bisschen in Perth um, was mit den kostenlosen(!) Citybussen ganz angenehm ist. Das letzte Picknick findet auf einer Wiese am Ufer des Swan Rivers statt, für die musikalische Untermalung sind die Acts der nahe gelegenen Open Air-Bühne zuständig.

Die Rückgabe des Wohnmobils klappt reibungslos ("no accident"), der Flug nach Bali ebenso. Ehe wir uns versehen sind wir in den Tropen, die Uhren ticken mal wieder völlig anders. Wir haben einen kleinen Bungalow gemietet, winzig aber gemütlich mit Blick in einen tropischen Garten. Bewacht werden wir von furchteinflössenden Torwächtern, genaugenommen sind es steinerne Fantasiegestalten. Kurz und knapp - es geht uns gut!

Old Bastards of Australia  01.02.2012

Im Restaurantführer von Kalbarri entdecken wir eine interessante Anzeige. Das „Finlay's Fish BBQ“ hat einen neuen Besitzer. Das Traditionsrestaurant wird jetzt von den „Bastards of Australia“ geführt. Das „Finlay's Fish BBQ“ ist so recht nach dem Geschmack der Aussies: Es gibt fangfrischen Fisch, noch dazu delikat zubereitet. Es ist ein großer Grill vorhanden, gut geschützt von einem Blechdach. Was es nicht gibt, sind Tische, Stühle, Getränke und eine Bedienkraft. Also bringen die Aussies alles mit, was man für ein anspruchsvolles Diner benötigt: Campingstühle, Klapptische, Pappteller, Plastikbesteck und einen Eski. Der Eski ist eine Kühltasche, randvoll gefüllt mit Bierdosen. Ja, mit Bierdosen, denn das „Finlay's Fish BBQ“ ist licensed to bring your own, also darf man tatsächlich mal ungestraft ein Schluck Bier oder ein Glas Wein genießen. Kaum zu toppen ist auch der Werbegag, den sich die „Bastards of Australia“ ausgedacht haben: Gäste bekommen ihren Fisch zum halben Preis, wenn sie ihre Teilnahme am 1. Weltkrieg (!) nachweisen können...

Australien - On the road again  17.01.2012

Nach fünf Tagen "Gefangenschaft" im Strandparadies sind auf dem Campingplatz mittlerweile alle leicht lethargisch geworden. Es ist eine merkwürdige Stimmung. Die zweistündlichen Aktualisierungen haben sich etwas verändert, die Meldung, daß die Vollsperrung noch mindestens vierundzwanzig Stunden dauern wird, ist verschwunden. Plötzlich weicht die Ruhe fröhlicher Aktivität. Die Leute fangen an zu rennen. In Windeseile verbreitet sich die Nachricht - die Straße ist offen. Es ist Freitagnachmittag und wir beobachten gespannt und belustigt das Geschehen um uns herum. Hektisch wird zusammengepackt, die letzten Erledigungen im Laufschritt gemacht und ehe wir uns versehen, leert sich der Campingplatz. Wir beschließen, uns nicht von der Hektik anstecken zu lassen und am nächsten Morgen unsere Weiterreise anzutreten. Kurz vor dem Dunkelwerden treffen die ersten Neuankömmlinge aus dem Süden ein, man kommt tatsächlich durch. So machen wir uns am Samstagmorgen wieder auf den Weg und sind "on-the-road-again".

Australien - Gefangen im Paradies  12.01.2012

Es ist Montag, 09.01.2012, 1.05 Uhr und wir sind in den tiefsten Träumen versunken. Da klopft es plötzlich an unserer Autotür. Schlaftrunken versuchen wir zu sortieren, was los ist. Die junge Französin vom Kombi nebenan, die den Rastplatz mit uns am Highway Richtung Norden teilt, steht vor der Tür und weist uns auf einen roten Lichtschein hin. Da riechen wir es auch schon – ein Buschfeuer wütet in unmittelbarer Nähe. Während wir beratschlagen, was zu tun ist, biegt die Highway-Patrol auf den Parkplatz ab und ist verwundert, dass wir schon wach sind. Sie sind gekommen, um uns zu evakuieren. Der Busch brennt und wir müssen schnellstens weg. Also ruckzuck das Nötigste zurecht gerückt, auf die Sitze, Wagen gestartet und los. Wir fahren im Konvoi, im Rückspiegel gibt es nur noch die vier Highway-Patroullien und den roten Feuerschein zu sehen.

Wir fahren 50 km, bis wir an einem Rastplatz gegenüber eines Roadhouses ankommen, der für sicher erachtet wird, so dass wir zunächst weiterschlafen können. Die Highway-Patrol versichert uns, dass alles okay ist und sie uns am Morgen über weitere Schritte informieren werden.

Die restliche Nacht ist etwas gespenstisch, doch wir sind froh, erst einmal aus der Gefahrenzone heraus zu sein. Am Morgen müssen wir die Barrieren der Straßensperrung beiseite räumen, um die gesperrte Autobahn verlassen zu können. Wir machen uns auf Richtung Coral Bay und sind noch guter Dinge, dass das Buschfeuer bald im Griff sein wird.

Doch da sollen wir uns gewaltig irren. Nun sitzen wir schon seit vier Tagen fest, allerdings im Paradies. Coral Bay ist das westaustralische Pendant zum Great Barrier Reef, mit der charmanten Eigenschaft, dass man zum Riff „laufen“ kann. Hier gibt es türkisblaues Wasser, weiße Sandstrände und eine lebendige Meeresnatur. Fischschwärme und die beeindruckenden Rochen schlängeln sich zwischen unseren Beinen, selbst Riffhaie schweben vorbei. Wir sind echt begeistert.

Allerdings trüben die weiteren Nachrichten des Buschfeuers die Freude ein wenig. Nach momentanem Stand werden wir noch mindestens zwei Tage hier ausharren müssen. Es sind mittlerweile sagenhafte 324.000 Hektar Busch verbrannt. Die einzige mögliche Ausweichstrecke Richtung Süden, die mit einem Umweg von ca. 1000 km verbunden wäre, ist nun auch gesperrt. Der Grund hierfür ist jedoch nicht das Feuer, sondern Überflutungen und ein herannahender Zyklon aus dem Norden. Wir sitzen also auf einer abgeschnittenen Landzunge, von Norden nähert sich der Zyklon Heidi mit heftigen Regenschauern und im Süden wütet das Feuer. Wir sind echt gefangen im Paradies und sind skeptisch, ob wir in absehbarer Zeit unbeschadet weiterreisen können. Abwarten ist angesagt. Wir haben angefangen unsere Vorräte einzuteilen, denn die Nachschubwege sind ja abgerissen. Trotzdem sind wir guter Dinge und genießen das Paradies.

Australien - Silvester  05.01.2012

Silvester auf der abgelegenen Willowbrook Farm, das bedeutet Gartenparty und BYO. Die Gastgeber Bill und Lil spendieren „New Years Eve Punch“, eine leckere Wodka-Bowle. Ansonsten bringt jeder seine eigenen Getränke und Knabbereien mit. Es tauchen immer mehr Aussies auf, die Party wird gesellig und dank der rauen Herzlichkeit der Leute sehr speziell. Brenda holt irgendwann die Gitarre raus und überzeugt uns mit Musikgeschmack und Sangeskünsten gleichermaßen. Den Countdown zum Jahreswechsel soll das Radio beisteuern, doch der Sender ist irgendwo in den Weiten der Atmosphäre verloren gegangen. Egal, so ungefähr um Mitternacht gibt es Umarmungen und beste Wünsche für 2012 von allen Seiten. Auch wir wünschen allen, die uns in Gedanken auf der Reise begleiten, hiermit ein gutes Jahr.

Australien - Nullarbor Plain  04.01.2012

„Die Durchquerung des Südwestens gilt als eine der ganz großen Australienreisen“ behaupten die Tourismus-Experten. Das Kernstück der Strecke ist die Nullarbor-Plain, die größte Kalksteinebene der Welt. Dort ist es selbst für australische Verhältnisse besonders trocken und unfruchtbar. Es gedeiht nicht viel mehr als anspruchsloses Spinifexgras und Gestrüpp. Im Norden schließt sich die Victoria-Wüste an und im Süden fällt die Ebene abrupt 90 Meter senkrecht ins Meer. Das macht uns neugierig, dort können wir ein Stück „echtes Australien“ erleben, schließlich sind 95% der Landesfläche nur dünn oder gar nicht besiedelt. Doch zuvor erfahren wir die Geschichte eines tollkühnen Kerls namens Edward John Eyre, der 1840 mit vier weiteren Burschen, darunter drei Aborigines, loszog, um ebendiese „Nullarbor-Plain“ zu erkunden und einen Weg ins 1.500 Kilometer entfernte Albany im Westen zu finden. Dazu muss man wissen, dass ein solches Wagnis mit allerlei Widrigkeiten verbunden war und auch heute noch ist. Stechameisen, giftige Spinnen und Schlangen sind ohne Anstrengung dazu in der Lage, einem Menschen den dortigen Aufenthalt zu vermiesen. Die dornigen Büsche sorgen für Wunden, die sich rasch entzünden und unzählige Insekten anlocken. Die Entdecker litten zudem unter mangelhaften Hygienemöglichkeiten und ständiger Wasserknappheit. Erstaunlicherweise wurden nur drei Teilnehmer der Expedition Opfer der menschenfeindlichen Umstände, zwei schafften es tatsächlich bis nach Albany. Sie waren etwas länger als ein Jahr unterwegs und legten gerade einmal vier Kilometer pro Tag zurück.

Ja, das hört sich wirklich interessant an, diese Tour wollen wir unbedingt machen. Allerdings haben selbst wir kein ganzes Jahr Zeit, deshalb gehen wir nicht zu Fuß, sondern nehmen den komfortablen Campervan. Voller Vorfreude fahren wir los und ergötzen uns an der Ödnis, die uns stundenlang begleitet. Fahrerisch verlangt uns der Eyre-Highway nicht viel ab, Kurven einzubauen war den Straßenbaumeistern wohl zu lästig. Der letzte Radiosender hat sich inzwischen verabschiedet und schon bald hat uns die Monotonie eingelullt, aber das ist auch schon anderen Reisenden passiert, wie man an den Autowracks abseits der Strecke sieht. Wir fragen uns, warum die Fahrzeuge nicht beseitigt worden sind, aber ehrlich gesagt, so wirklich stören sie hier niemanden. Den ersten Stopp auf der Strecke wollen wir mit einem stärkenden Picknick veredeln. Wir klappen unsere Stühle auf und decken den Tisch mit vorbereiteten Leckereien. Doch der Appetit vergeht uns schnell. Ein Schwarm Fliegen macht sich über uns her. Fliegen, deren bemerkenswerte Leidenschaft es ist, die Augapfelflüssigkeit ihrer Opfer abzulecken. Statt höflich stillzuhalten sitzen wir nur Sekunden später wieder im Wagen und suchen das Weite.

Um die Einsamkeit wirklich spüren zu können, übernachten wir mit unserem Campmobil im Busch. Gespannt sitzen wir in unseren Klappstühlen und halten nach Kängurus, Emus und Wombats Ausschau, während sich am Horizont der in der Wildnis immer wieder großartige Sonnenuntergang ankündigt. Schon bald hocken wir unter einem sagenhaften Sternenhimmel, der vom „Kreuz des Südens“ dominiert wird. Mit diesen wunderbaren Eindrücken gehen wir ins Bett. Die Nacht verläuft ruhig. Bis wir um drei Uhr von merkwürdigen Geräuschen geweckt werden. Vermutlich versucht ein Tier, ins Fahrzeug zu gelangen, um sich an uns zu laben. Wir schauen aus dem Fenster, mal ohne, mal mit Taschenlampe, doch wir können nichts erkennen. An Schlaf ist nun nicht mehr zu denken, alle paar Minuten raschelt es wieder. Dann haben wir den bösen Verdacht, dass sich der Störenfried bereits in unserer unmittelbaren Nähe befindet. Mit erhöhtem Puls durchsuchen wir vorsichtig unser Fahrzeug, und tatsächlich: In einer Schublade steckt das Biest. Es ist eine Maus! Wir lachen uns erleichtert kaputt: da draußen lauern blutrünstige Tiere und wir schlottern in unserer sicheren Kabine vor einer kleinen Maus.

Der nächste Tag bietet die gleiche Vegetation. Wir sind dankbar für jede Ablenkung, die die aufkommende Müdigkeit vertreibt. Diesmal erfordert ein Hinweisschild unsere Aufmerksamkeit: Wombats, Kängurus und Kamele auf den nächsten 92 Kilometern. Kamele? Ja, tatsächlich. Als im späten 19. Jahrhundert das Outback erschlossen werden sollte, wurden Kamele per Schiff angeliefert. Da es am Zielort jedoch noch keinen Anlegesteg gab, wusste die Besatzung nicht, wie sie die Tiere an Land befördern konnten. Es kam die Frage auf: „Können Kamele schwimmen?“ Kurzerhand wurde eins der Tiere über Bord geworfen. Gespannt blickten die Seeleute über die Reling, und siehe da: Das Kamel schwamm an Land.

Dann kommt eine Stichstraße, die uns zu den Bunda-Cliffs führt. Von Wanderstegen aus, hoch über dem tosenden Meer, können wir die steile und spektakuläre Küstenlandschaft bestaunen. Mit frischem Elan setzen wir unsere Reise fort. Bald überqueren wir ein Viehgitter, Teil des 5.614 Kilometer langen Zauns, der die Dingos, die Wildhunde von den Schafherden im Südosten fernhalten soll. Wir beschließen, die unglaubliche Entfernungsangabe nicht zu überprüfen und fahren gut gelaunt weiter. Jetzt wird es kurios, wir überqueren die Grenze der Bundesstaaten Süd- und Westaustralien, das bedeutet Zeitumstellung. Zuerst 105 Minuten und bereits 300 Kilometer später weitere 45 Minuten. Sehr merkwürdig, aber in der Wüste ist Zeit nur von untergeordneter Bedeutung.

Etwa alle 80 Kilometer taucht eine Raststätte am Straßenrand auf. Diese sogenannten Roadhouses sind Service- und Konsumstationen, die ihren Charme daher beziehen, dass sie einfach hierhin gehören. Die unbarmherzige Sonne und der Zahn der Zeit haben den Gebäuden und teilweise auch den Angestellten merklich zugesetzt. Wer schon immer mal einen Zeitsprung in die Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts machen wollte, dem sei ein Aufenthalt in einem dieser „lebenden Museen“ ans Herz gelegt. Die unschlagbare Kombination aus Tankstelle, Kiosk, Post, Motel, Pub und Glücksspielgeräten sorgt jedenfalls für ein reges Kundenaufkommen. Mancher Gast kommt sogar wegen des Nullarbor Links, des längsten Golfkurses der Welt. Jedes Roadhouse verfügt über je einen grasfreien 1-Loch-Golfplatz. Wer so richtig sportlich ambitioniert ist und alle 18 Löcher spielen möchte, der muss natürlich auch alle Roadhouses anfahren. Die Scorecard kostet 60 Dollar und der erste Abschlag ist vom letzten Loch 1.365 Kilometer entfernt. Wir gönnen uns den Spaß und spielen auch ein Loch. Der Abschlag ist irgendwo im Busch, Eukalyptusbäume und verrostete Öltonnen stehen als Hindernisse auf dem staubigen Fairway, aber wenigstens das Puttinggreen besteht aus immergrünem Kunstrasen.

Und immer weiter geht die Reise. Mal gibt es die Überreste einer alten Telegrafenstation zu bestaunen, mal ein Blowhole, also ein Loch, aus dem von Zeit zu Zeit kochend heißes Wasser spritzt. Dann gleitet die schattenlose Einöde wieder an uns vorbei. „Woran erkennt man eigentlich einen Outback-Briefkasten?“ Je länger die Fahrt dauert, desto sinnfreier werden unsere Gedanken. Nun, der Outback-Briefkasten muss an einer holprigen Stichstraße stehen, man darf weit und breit kein Haus erkennen und er darf keinesfalls wie ein uns bekannter Briefkasten aussehen. Volltreffer! Wir entdecken unterwegs witterungsbeständige Behältnisse, auf die diese Beschreibungen zutreffen. Mal ist es ein rostiges Ölfass, mal eine ausrangierte Mikrowelle oder sogar ein Kühlschrank. Wer sich den Luxus gönnt, in dieser australischen Abgeschiedenheit zu leben, braucht also nicht auf Post zu verzichten. Auf eine angemessene ärztliche Betreuung allerdings auch nicht. Wenn der Einsiedler also über Appetitlosigkeit oder noch schlimmere Leiden klagt, kommt der Arzt. Für diese seltenen Fälle wurde ein Teilstück des Highways als Start- und Landepiste für Propellermaschinen markiert. Denn der Arzt ist ein Mitglied des Royal Flying Doctor Service, eines Notdienstes, der für die entlegensten Gebiete angeboten wird.

Ohne die folgenden Fakten wäre die Geschichte des Eyre-Highways nicht komplett: Am 20.01.1988 fuhr Faye Knowles mit ihren drei Söhnen auf dem Highway und wurde kurzzeitig von einem UFO entführt. Das Auto wurde, wie die plötzlich weltbekannte Frau erzählte, in Richtung Raumschiff „gebeamt“. Sekundenlang schwebte die verschreckte Familie in der Luft, dann wurde der Wagen wieder „fallengelassen“. Das Kuriose an der Geschichte ist, dass die eiligst herbeigerufenen NASA-Experten am völlig demolierten Fahrzeug ein merkwürdiges Pulver entdeckten, welches sie selbst bei Raumflügen verwenden. Und bereits 1979 regneten die Reste der auf die Erde stürzenden US-Raumstation Skylab - natürlich - in der Nähe des Eyre-Highways herab.

Ein weiteres Verkehrsschild kündigt den längsten schnurgeraden Straßenabschnitt Australiens an: 146 Kilometer. Nanu, das hätten wir in dieser Gegend aber nicht erwartet. Nachdem wir auch dieses spektakuläre Teilstück noch bezwungen haben, erreichen wir den Ort Norseman, wo man uns ein Zertifikat überreicht: Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Wir haben die Nullarbor-Ebene durchquert.

Sport in Australien  24.12.2011

Australien hat der Welt schon so wunderbare Aktivitäten wie Bootsrennen in einem ausgetrockneten Flußbett (Alice Springs) oder Bierdosenboot-Weitflug (Darwin) geschenkt. Nun hat sich eine noch elitärere Sportart hinzugesellt: Langstreckengolf. Der erste Abschlag findet in Ceduna statt, das letzte Loch des Par 71-Golfkurses wird in Kalgoorlie gespielt, 1.365 Outback-Kilometer entfernt! Manchmal wird in einem Golfclub gespielt, meistens jedoch im Hinterhof von Roadhouses in der Nullarbor-Plain. Es gibt dort nicht einen einzigen Grashalm. Der Abschlag findet irgendwo im Busch statt und das Putting-Green besteht aus unverwüstlichem Kunstrasen. Die Scorekarte für den 18-Loch-Spaß kostet 60 Dollar.

Australien - Lucy ist gut drauf  24.12.2011

Lucy lebt in einem Wohnwagen auf Stellplatz 19 im Caravanpark des Küstendorfes Fowlers Bay, 32 Kilometer Buckelpiste vom Eyre-Highway entfernt. Lucy ist gut drauf, denn sie bietet ihre Dienste an und zur Weihnachtszeit hat sie immer Hochkonjunktur. Die hartgesottenen Outback-Aussies wollen wenigstens einmal im Jahr manierlich aussehen. Lucy ist ihre Rettung, denn im Umkreis von vielen hundert Kilometern ist Lucy die einzige professionelle Hairdresserin.

Australien - Outlaw Town  16.12.2011

Reisewarnung! Wie wir dem letzten Crime Report, Ausgabe 91 der South Australia Police entnehmen können, hat sich McLaren Vale zum Zentrum krimineller Aktivitäten entwickelt. Innerhalb von nur 2 Monaten haben sich folgende, erschreckende Delikte in der bisher so ruhigen Kleinstadt zugetragen: Kalamata Court: Graffiti-Schmierereien, Aldersey Street: Briefkasten gestohlen, Main Road: Mülltonne entwendet. Wir können nur jedem Reisenden, dem der Sinn nach ungetrübten Urlaubstagen steht, dringend raten, sich von diesem Ganovennest fernzuhalten.

Südaustralien  15.12.2011

Der Grenzuebertritt nach Suedaustralien verlief problemlos, es gab keine Kontrollen. Dennoch hatten wir, wie gefordert, alles frische Gemuese und Obst noch in Victoria verspeist. Die Zeitumstellung betrug diesmal nur 30 Minuten, kaum der Rede wert. Die erste Nacht haben wir in einem wildromantischen Bushcamp verbracht und ein Echidna (ein igelaehnlicher Vierbeiner) aus naechster Naehe begutachten koennen. Victor Harbor war ebenfalls einen Besuch wert, hier haben wir auf einer Anhoehe mit super Rundblick ueber die Bucht kostenlos genaechtigt. Granite Island ist mit Victor Harbor durch eine alte Holzbruecke verbunden. Ueber diese Bruecke verkehrt regelmaessig eine Bahn, die allerdings nicht von einer Dampflok, sondern von einem Pferd gezogen wird. Es gibt halt immer wieder was zu staunen. Granite Island wird abends von heimkehrenden Pinguinen bevoelkert und in den die Insel umgebenden Korallen kann man Leafy Seadragons entdecken, Seepferdchen, die blaetterartige Gliedmassen besitzen. Wunderbare Welt der Tiere!

Australien - Great Ocean Road  04.12.2011

Die letzten Tage waren sehr ereignisreich. Wir hatten jede Menge einzigartige Tierbegegnungen und eine Fülle von sehr eindrucksvoller Natur. Das hat richtig geschafft. Die ganzen Eindrücke müssen erstmal verarbeitet werden. Koalas hautnah, Papageien, Kakadus, Emus, Kängurus und, und, und, alles was das Herz begehrt direkt vor der Nase, Wir sind praktisch damit eingeschlafen und auch wieder aufgewacht. Man brauchte nur aus dem Fenster sehen, einfach nur schön. Außerdem hat die Great Ocean Road eine Menge bizarrer Felsformationen und weitere tolle Natur zu bieten. Das geht weit hinaus über die bekannten zwölf Apostel. Nach einem Inlandsausflug zu den Grampians und weiteren Nationalparks sind wir nun wieder an der Küste im Westen Victorias. Doch morgen werden wir Victoria den Rücken kehren und weiterfahren nach Südaustralien. So langsam machen wir uns auf den Weg Richtung Westen.

Australien - Philipp Island  22.11.2011

Die mit einer Brücke zum Festland verbundene Insel südöstlich von Melbourne bietet viele Freizeitmöglichkeiten. Feine Sandstrände, schroffe Felsküsten, hohe Wellen, schöne Wanderwege und eine vielfältige Tierwelt. Wir durften die jungen Möwenküken bei ihren ersten Flugversuchen beobachten, sind über einen nistenden Pinguin in den Dünen gestolpert, haben Blauzungen-Lizards entdeckt und große braune Wallabies aufgeschreckt. Natürlich gab es auch jede Menge Kakadus, Papageien aller Art, Ibisse und noch viel mehr Vögel. In Toora haben wir das südlichste Mangrovengebiet der Welt besucht, wo Vögel aus Alaska und Russland zum Nisten herkommen.

Australien - Victoria  16.11.2011

Der Flug nach Melbourne verlief ohne Probleme. Wir hatten reichlich Platz und konnten wunderbar schlafen. Die Camperübernahme war spannend, denn wir sind ja hier blutige Anfänger. So haben wir einen Haufen Fragen gestellt und uns schließlich auf die Straße gewagt. Der Camper ist prima und wir sind sehr zufrieden. Von Melbourne aus sind wir zunächst Richtung Nordosten aufgebrochen, um die Great Alpine Road zu erkunden. Unterwegs in Bright haben wir Lars und seine Familie besucht, ein sehr schöner Ort und wir durften eine tolle Gastfreundschaft genießen. Die australischen Alpen sind auch im Sommer einen Besuch wert, denn es gibt viele Wanderwege, von denen wir einige selbst erkundet haben. In der näheren Umgebung gibt es historische Goldgräberstädtchen, die durch ihren Charme bestechen. Die Alpenüberquerung haben wir mit unserem Camper gut gemeistert und nun sind wir am Ninety Miles Beach unterwegs.

Vietnam - Saigon -> Malaysia - Kuala Lumpur  08.11.2011

Saigon ist wieder eine neue Welt. Es unterscheidet sich drastisch vom quirligen Hanoi. Hier hat der westliche Einfluß schon viel deutlicher zugeschlagen, so daß sogar rote Ampeln manchmal beachtet werden! Sehenswert ist das historische Postgebäude, die gegenüberliegende Kirche "Notre Dame" sowie der botanische Garten mit angeschlossenem Zoo. Das Krokodilgehege ist so angelegt, daß man ohne weiteres seine Finger durch die Gitterstäbe schieben und als Futter anbieten kann. Eltern sollten hier auf ihre Kinder gut aufpassen.Wir lassen uns noch ein bißchen treiben, bevor die Abreise nach Malaysia bevorsteht. Ein letzter tropischer Regenguß setzt in nochmal die Straßen unter Wasser, doch wir haben glücklicherweise noch ein rettendes Dach gefunden.

Der Flug nach Kuala Lumpur verläuft ohne Zwischenfälle, wir landen im Dschungel - alles voll mit Palmen, sehr grün! Es regnet. Das vorgebuchte Hotel finden wir recht schnell, nachdem wir endlich den richtigen Ausgang aus dem Bahnhof gefunden haben und machen es uns erstmal gemütlich. Die nächsten 5 Tage machen wir KL unsicher. Die Faszination Kuala Lumpurs liegt zum einen im Zusammentreffen der malaiischen, chinesischen und indischen Kulturgruppen und zum anderen am Kontrast zwischen historischen Bauwerken und hypermodernen Konsumtempeln. Wir besuchen die Petronas-Twintowers, aber die Aussichtsplattform ist wegen Wartungsarbeiten gesperrt.  Der Muezzin reißt uns frühmorgens aus dem Bett, es ist Hari Raya Aidilfitri, Ende des Fastenmonats Ramadan, was durch vereinzelte Feuerwerke und andere Festlichkeiten unterstrichen wird.

Heute geht es nun weiter Richtung Australien, die Rucksäcke sind gepackt. Wir machen uns auf den Weg zum Flughafen.

Zentralvietnam - 29.10.2011

Die ehemalige Hauptstadt Hue wird von der imposanten Zitadelle dominiert und von einem Gewaesser mit dem schoenen Namen Parfuemfluss durchschnitten. Der Duft, den der Fluss verbreitet, ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was der Name verspricht. Als Entschaedigung werden wir Zeugen, wie der vietnamesische Frauentag gefeiert wird. Das ist ganz lustig, denn zahllose maennliche Teenager kaufen vom Moped aus Blumen an provisorisch aufgebauten Staenden. In den Parks werden dann "Kennenlernspiele" veranstaltet, bei der die Jungs die Gelegenheit bekommen, ihrer "Angebeteten" die Blumen zu ueberreichen. Manche Herzensbrecher gehen selbstbewusst voran, manche eher verschaemt, so auch der Typ, der Susanne eine Blume ueberreicht. In jedem Fall haben alle Beteiligten - und wir auch - viel Spass.

Hoi An, die vietnamesische Textilhochburg mit ihrer historischen Altstadt ist sehenswert, vor allem abends, wenn bunte Lampions die Gassen erleuchten und schwimmende Kerzen auf dem Fluss funkeln. Allerdings ist der Ort ziemlich von Touristen ueberlaufen. Das verdirbt nicht nur die Preise, sondern - viel schlimmer - den Charakter der Einheimischen. Hier ist es laut und man wird unentwegt von Verkaeufern genervt. Wir machen noch schnell ein Foto von der "Japanischen Bruecke" und verduften mit einem Nachtbus nach Nha Trang. Das "Nizza des Ostens" punktet mit einer weitlaeufigen Bucht, reichlich Sandstrand und einer mit Parkanlagen gespickten Promenade. Hier machen wir erstmal "Urlaub". Wir besuchen Spiele der Basketball-Asienmeisterschaft und einen Tempel aus dem 7. Jahrhundert, der weithin sichtbar auf einem Huegel thront.

Vietnam - Norden, Halong Bucht und Hue - 18.10.2011

Wir haben mal wieder Hummeln im Hintern und so waren die letzten Tage sehr ereignisreich. Mit dem Nachtzug nach Lao Cai, der Bahnstation, um nach Sapa zu kommen, 3 Tage ausgiebige Trekkingtouren mit unserer  einheimischen Führerin Ya, tausend neue Eindrücke, mit dem Nachtzug wieder zurück nach Hanoi und von da aus weiter zu einer zweitägigen Schiffstour in die Halongbucht. Das ist allerdings, wie nicht anders erwartet schon sehr touristisch und so sind wir sehr zufrieden mit unserer Entscheidung, nur die kurze Tour gebucht zu haben.

Sonntagabend, gerade wieder zurück in Hanoi, reicht die Zeit noch, um ein paar Snacks und Getränke zu erstehen, bevor der Nachtzug nach Hue abfährt. Das wird dann allerdings ein sehr ausgiebiges Abenteuer, denn statt der planmäßigen 13 Stunden verbringen wir 24 Stunden im Zug und sind ziemlich geschafft, als wir nun endlich in Hue angekommen sind. Die heiße Dusche im Hotel entschädigt dann ein wenig.

Hanoi – Vietnam. 5:15 Uhr - 10.10.2011 

Die Morgendämmerung treibt die Menschen aus den Häusern und unzählige Mopeds rattern durch die Straßen, Autos und Fahrräder sind hoffnungslos in der Unterzahl. Die Zweiradfahrer sehen mit ihren Ganzkörper-Regenumhängen etwas gewöhnungs-bedürftig aus, aber es ist der Monat der abklingenden Regenzeit und der nächste Schauer kommt bestimmt. Für Fußgänger wurden breite Bürgersteige angelegt, aber die sind mit tausenden von parkenden Mopeds belegt. Das heißt, auch wir bewegen uns über die Straße vorwärts. Die Motorradfahrer kommen von vorn, von hinten, von rechts und von links. Die meisten Piloten fahren vorausschauend, andere rasen überaus optimistisch heran. Man muss schon sehr aufmerksam sein, um nicht über den Haufen gefahren zu werden. Eine Straßenüberquerung ist ebenfalls eine Nervenprobe. Ampeln und Zebrastreifen missachtend rollen die Mopeds an uns vorbei, am besten schaut man einfach geradeaus.

Stets belebt ist die Uferpromenade des Hoan Kiem-Sees. Früh morgens gleicht sie einem malerischen Open-Air-Fitness-Studio. Wir sehen Badmintonspieler, Läufer und Walker, andere Leute machen sich mit Gymnastik, Tai Chi, Tanz-Choreograpien oder Aerobic fit für den Tag. Der See, der Alt-Hanoi vom früheren französischen Kolonialviertel trennt, ist aber auch aus einem anderen Grund sehr beliebt bei den Vietnamesen: Anfang des 15. Jahrhunderts, während der chinesischen Besatzung, übergab der Sage nach eine riesige, im See lebende, goldene Schildkröte dem armen Fischer Le Loi ein magisches Schwert, welches ihn unbesiegbar machte. Er benutzte das Zauberschwert, um die Truppen der Ming Dynastie vernichtend zu schlagen, und wurde im Jahre 1428 König. Nun begab sich der junge König zum See, um den Göttern zu danken. Da tauchte die goldene Schildkröte auf und forderte das Schwert zurück. Le Loi ernannte das Tier zum Schutzgeist des Sees und aus Dankbarkeit ließ er auf einer kleinen Insel in der Mitte des Sees den dreistöckigen Schildkröten–Turm errichten, der bis heute das Wahrzeichen Hanois ist. So weit die Legende, aber 1968 wurde tatsächlich eine 2,10 m lange und 250 kg schwere Schildkröte aus dem See geborgen, welche etwa 400 Jahre alt gewesen sein soll. Sie ist präpariert in einem Glaskasten im Jadeberg–Tempel ausgestellt. Der Jadeberg-Tempel befindet sich auf einer kleinen Insel, auf die eine geschwungene Brücke führt. Der grün schimmernde See ist somit ein beliebter Treffpunkt für verliebte Pärchen und eine gefragte Location für Hochzeitsfotos.

Zwar nicht als Könige aber wenigstens als Millionäre sind wir in Vietnam unterwegs, denn bei einem Wechselkurs von 27.500 Dong für einen Euro hat man schnell mal ein oder zwei Millionen in der Tasche.

Hanoi – Vietnam, 19:00 Uhr Ortszeit - 06.10.2011

Wir sind angekommen. Das erste Etappenziel unserer Rundreise ist erreicht. Von Haustür zu Haustür haben wir 21 Stunden benötigt, drei Stunden länger als geplant, da nervöse amerikanische Sicherheitsdienste unseren aus Chicago kommenden Flieger noch ein weiteres Mal untersuchen mussten. Das brachte uns vier unbequeme Stunden Aufenthalt im Warschauer Flughafen mit dem schönen Namen „Chopin“ und einen Nachtstart um 2:00 Uhr ein. Das quirlige Hanoi empfängt uns mit 21° Celsius, hoher Luftfeuchtigkeit und Nieselregen, nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Das vorgebuchte Hotelzimmer entspricht unseren Erwartungen, der Zeitunterschied beträgt fünf Stunden und unser Körper stellt sich gerade auf Vietnam-Zeit um.