Weihnachten 2012

Nun haben wir nach einem guten belgischen Abendessen bei Yves und Roland den gestrigen Heiligabend bei unseren kanadisch-portugiesischen Vermietern Ed und Bonita verbracht und das war echtes Kontrastprogramm. Belgisch speist man gepflegt ein Mehr-Gänge-Menü, welches uns kulinarisch wirklich anspricht. Kanadisch ist dann schon eher amerikanisch angehaucht und wir haben nicht schlecht gestaunt, welche Speisen man da alle gleichzeitig auf dem Tisch und auch auf dem Teller vorfinden kann. Hier ist ein kleiner Auszug, um sich den Spaß besser vorstellen zu können: Neben dem obligatorischen Truthahn nebst Füllung und Soße gab es: Käse, Shrimps, Chorizo, Kartoffeln, Obstsalat, Krautwickel, gelierte Ananas, Brot, Brokkolisalat, Rotkohlsalat. Die Flasche Pepsi durfte selbstredend auch nicht fehlen, denn der amerikanische Pastor mit Frau, die dem Alkohol entsagen, waren mit von der Partie. So begann diese Speisenvielfalt, die einzeln betrachtet prima war, allerdings für uns die Kombination etwas gewöhnungsbedürftig schien, natürlich mit dem Tischgebet. Auch das war eine Erfahrung wert.

Frohe Weihnachten! Morgen treten wir die Heimreise für den Zwischenstopp an! Eine wunderschöne Zeit geht zu Ende.

"Tempel" mit Stil - 20.12.2012

Die im 17. Jahrhundert erbaute Kirche „Igreja de Nossa Senhora da Conceicao“ in Caloura ist unter den vielen Gotteshäusern Sao Miguels eine echte Kuriosität. Die Vorderseite ist mit tausenden von wertvollen Azulejos - den azoreanischen Keramikfliesen - verziert. Zudem fehlt dem zweiten Glockenturm der namensgebende Klangkörper. Das Frachtschiff, das die benötigte Glocke hierher transportieren sollte, kenterte auf hoher See und verlor seine Ladung. Die Öffnungen im Mauerwerk des Glockenturms wurden daraufhin kurzerhand zugemauert. Um dennoch einen ordentlichen Symmetrieeffekt zu erreichen, wurde die fehlende Glocke einfach aufgemalt. Einer flüchtigen Betrachtung hält diese Täuschung tatsächlich stand. Da sich die Kirche in Privatbesitz befindet, ist sie meistens geschlossen. Wir haben jedoch einen der seltenen Momente erwischt, in dem man auch die Besonderheiten im Inneren der Kathedrale begutachten kann. Die hohen Seitenwände sind ebenfalls komplett mit Azulejos ausgeschmückt und die Deckengewölbe wurden detailreich verziert. Zum guten Schluss hat auch der Altarbauer seine künstlerische Freiheit ausgenutzt und den Altaraufsatz mit liebreizenden Engeln versehen. Um auch ganz sicher zu gehen, dass sein Werk Gesprächsstoff für mehrere Generationen bietet, hat er die Himmelsboten mit stattlichen Schnurrbärten ausgestattet.

Statussymbol? Nein, Danke! - 13.12.2012

Der Azoreaner ist recht bodenständig und nicht verdächtig, übertrieben eitel zu sein. Wenn der Kleinwagen beim Parken in den engen Gassen mal eine Beule abkriegt, dann ist das halt so. Kein Grund, einen neuen Kotflügel zu kaufen. Und wenn der Bauer erst spät vom Feld kommt, dann geht er eben mit seinen schmutzigen Gummistefeln in die Kneipe. Blender, die stets ihre Nachbarn übertrumpfen wollen, sucht man hier vergeblich. Folgerichtig verzichtet der Hausherr auch auf eine zwei Meter hohe Eingangstür, wenn er selbst nur 1,59 Meter groß ist.

Gemisch von Flickwerk - 06.12.2012

Die Vermischung verschiedener Baustile bei den Restaurationsbemühungen der Kirche Matriz in Ponta Delgada hat uns folgende tiefsinnige Anmerkung, angebracht am Eingangsportal des Gotteshauses, beschert:

"Anfang des 18. Jahrhunderts begann die Periode der Verfälschungen des ursprünglichen Baurisses, und im Lauf der Zeite wurden die des jeweiligen Zeitgeschmacks eignen Ausschmückungen ausgeführt und zwar in dem Mass, dass, nach 300 Jahren, diese Kirche Matriz mit den klaren Linien und reichen Schnitzereien in Ausgewogenheit und Folgerichtigkeit ausgeführt, ein schlichtes Modell, wenn auch in der bescheidenen Architektur des 15. Jahrhunderts, sich in ein Gemisch von Flickwerk verwandelte."

Ein Platz an der Sonne - 27.11.2012

Basalt ist auf den Azoren allgegenwärtig. Als langlebiger Baustoff wird das Vulkangestein nicht nur für den Bau von Häusern, Kirchen und Denkmälern verwendet. Sehenswerte Mosaikpflaster auf den Bürgersteigen sowie Kopfsteinplasterstraßen in den alten Ortskernen ergänzen die typisch raue Szenerie auf Sao Miguel. Zudem wird die Wärme speichernde Eigenschaft des Gesteins von Echsen geschätzt. Diese clevere Eidechse hat sich einen Granitbriefkasten für ihr Sonnenbad ausgesucht.

Wechselbad im Atlantik - 20.11.2012

Einen ganz besonderen Badespaß verspricht ein Küstenabschnitt im Westen Sao Miguels bei Ginetes. Von einem Aussichtspunkt hoch oberhalb unseres Ziels haben wir bereits einen traumhaften Blick auf die wild zerklüftete Küstenlinie mit dem sehenswerten, 111 Jahre alten Leuchtturm. Die Straße windet sich pulssteigernd steil bergab, dann führt ein Holzsteg über das scharfkantige Lavagestein zum Meerwasser-schwimmbad. Eine Leiter erleichtert das Einsteigen in die kalten Atlantikfluten, doch das anfängliche Bibbern wird jäh von einem Schwall heißen Wassers vertrieben. Die Ponta da Ferreira ist eine weltweit einmalige geologische Formation, die aus einer Vertiefung besteht, welche durch den Kontakt von heißer Lava mit dem Meerwasser entstanden ist. Die natürlichen Becken im Meer können eine Temperatur von mehr als 40°C erreichen, je nach Stand der Gezeiten. Es ist ein wahrhaftiges Wechselbad und der Kreislauf wird ganz schön auf Touren gebracht. Der Wellengang in der engen Bucht sorgt dafür, dass wir hin und hergeschaukelt werden und Halteleinen verhindern, dass man aufs Meer hinausgezogen wird. An dieses einmalige Naturerlebnis werden wir uns noch lange zurückerinnern.

Oh, Santa Clara - 04.11.2012

Dramatik in der Schlussphase der portugiesischen Zweitligapartie CD Santa Clara gegen Atletico Lissabon. Bisher boten Serginho, Pacheco, Platini und Ailton keine fußballerischen Leckerbissen, doch in der 82. Minute gibt es Elfmeter für Santa Clara, dem einzigen Proficlub der Azoren. Reguila schießt links halbhoch, der Torwart hält, Reguila nimmt den Abpraller und haut ihn humorlos zum 2:1 ins Tor. Es ertönt die Vereinshymne „Oh, Santa Clara“. Reguila reißt sich das Trikot vom Leib und stürmt mit vier weiteren Spielern zur Tribüne, um den Treffer minutenlang mit den Fans zu feiern. Konsequenzen: Gelbe Karte für Reguila und Atletico drängt auf den Ausgleich. Santa Clara zeigt nun eine breite Palette des Zeitschindens, um die knappe Führung zu behaupten. Der Ball wird mit Vehemenz in die VIP-Loge geschossen. Gejohle auf den Zuschauerrängen. Atletico drängt weiter auf den Ausgleich. Drei Minuten Nachspielzeit. Pfiffe von den Zuschauerrängen. Der Ball wird auf das Tribünendach geschossen. Gejohle auf den Zuschauerrängen. Atletico drängt immer noch auf den Ausgleich. Es läuft die 93. Spielminute, als Santa Clara den letzten Joker zur Sicherung des Heimsiegs zieht: Maskottchen "Paco" wird auf das Spielfeld geschickt. Der Hund trottet quer über den Platz in Richtung Kabinen, um dem Schiedsrichter zu signalisieren: „Die Spielzeit ist abgelaufen“. Gejohle auf den Zuschauerrängen. Der Unparteiische akzeptiert den Befehl und beendet die Partie. Es ertönt die Vereinshymne „Oh, Santa Clara“. Die anschließenden Tumulte, die in der Roten Karte für Tininho wegen Schiedsrichterbeleidigung gipfeln, sind der krönende Abschluss einer unterhaltsamen Partie. Oh, Santa Clara…

Heiße Quellen in Furnas - Azoren 02.11.2012

Die Thermalquellen haben es uns besonders angetan. Es gibt hier heiße Quellen in Badeanstalten, aber auch mitten in Naturparks. Die Thermalquellen in Furnas sind immer wieder einen Besuch wert. Das Wasser ist sehr eisenhaltig, was man gut an den orangegelben Ablagerungen erkennen kann. Das heisst dann aber auch, besser keine helle Kleidung tragen, denn die Flecken sind doch recht hartnäckig. Selbst bei Regenwetter ist es äußerst gemütlich im warmen Wasser mit der leichten Berieselung von oben. Das malerische Tal von Furnas ist von ständiger vulkanischer Aktivität geprägt und hier findet sich eins der bedeutendsten Thermalgebiete Europas.

Sao Miguel - Azoren 27.10.2012

Nach einem angenehmen Flug sind wir gut gelandet, Auto abgeholt, Quinta gesucht und direkt gefunden. Wir sind in einer Art Naturparadies gelandet. Unser Häuschen steht inmitten eines Traumgartens und wir fühlen uns pudelwohl. Nun sind wir im "Ausflugsstress", denn wir geben das Auto in ein paar Tagen erstmal wieder ab und sind dann Fußgänger. Also sind unsere Tage gefüllt mit Eindrücken von wunderschöner Natur bei frühlingshaften Temperaturen.

Der Countdown läuft, unsere Abreise steht bevor. Am 24.10.2012 geht es los zur ersten Etappe auf die Azoren. Es ist ungewohnt für zwei völlig verschiedene Reisen und Reiseziele mehr oder weniger gleichzeitig zu planen und auch die Klamotten entsprechend vorzubereiten. So wachsen die "Häufchen" für Afrika und für die Azoren mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ferienhaus gegen Camping im Zelt.... Das ist echt spannend und macht riesig Spaß.