Mont Ventoux - Der Kampf gegen den "Riesen der Provence", 14.10.2014

Ein sonniger Tag im Norden der Provence, wie geschaffen für einen kleinen Ausritt mit dem Bike. Von Malaucène aus gibt es viele reizvolle Örtchen, die man über verkehrsarme Straßen erreichen kann. Ach, was! Heute werden keine halben Sachen gemacht, heute geht es auf den Berg, heute wird der Mont Ventoux bezwungen. 21 km permanent bergauf, das wird eine neue Erfahrung, hoffentlich keine schlechte. Der Einstieg ist noch nicht sonderlich steil, doch das ändert sich bald. Ich lasse die jahrhundertealten Natursteinhäuser und ein keltisches Quellheiligtum hinter mir und bin nun allein auf einem Asphaltstreifen im Naturschutzgebiet unterwegs. Die regelmässig auftauchenden Kilometersteine zeigen nicht nur die aktuelle Höhe an, sondern auch die durchschnittliche Steigung auf den nächsten 1.000 Metern. Das ist auf der Serpentinenstrecke recht hilfreich, allerdings löst die Aussicht auf eine nun folgende 12%ige Steigung bei nachlassender Power nicht gerade Jubelstürme aus. Doch der einsame Kampf gegen den Berg wird immer wieder aufgelockert durch eine großartige Fernsicht, außerdem fungiert Susanne als moralische Unterstützung in manch einer Spitzkehre. Plötzlich taucht eine seltsame Truppe vor mir auf: Zwei Typen filmen Pierre und zwei weitere Typen betreuen Pierre. Und Pierre ist mit einem Rekordversuch beschäftigt, er läuft den Mont Ventoux hinauf, und zwar rückwärts! Mon Dieu, wie lange wird er wohl brauchen? Ich wünsche ihm "bon courage" und erhöhe wieder die Trittfrequenz. Meter um Meter geht es bergauf, doch der Gipfel ist immer noch nicht in Sicht. Je mehr die Muskeln brennen, desto mehr spüre ich den Mythos Mont Ventoux. Er war schon oft der Schicksalsberg der Tour de France, Tom Simpson verstarb gar 1967 kurz vor dem Ziel, vollgepumpt mit Amphetaminen. Nach endlosen Kurven kommt die charakteristische kahle Kuppe plötzlich in mein Blickfeld, aber nur kurz, denn dichter Nebel raubt mir die Sicht. Nur noch 2,5 Kilometer, Höhe Skistation, Zeit für den Endspurt. Einzelne Bäumchen krallen ihre Wurzeln noch windgeplagt in die Steinwüste, zum Glück bläst der gefürchtete Mistral heute nur auf Sparflamme, weiter oben verschwindet dann jegliche Vegetation. Plötzlich steht Susanne neben mir. "Stop, stop, du hast es geschafft." Wie, ich bin schon oben? Im Nebelschleier gefangen dachte ich, es kommt noch eine letzte Rampe. Aber Susanne überzeugt mich mit dem Gipfelkreuz und der Aufschrift: Mont Ventoux, 1912 m.

Burscheid - Malaucène, 10.10.2014

Es ist 3 Uhr morgens, präzise gesagt 3.04 Uhr und es geht los. Wir sitzen im Auto und machen uns auf den Weg. Durch die Eifel läuft es erstaunlich rund, kein Nebel, kein Regen - einfach wunderbar. Auch der LKW-Verkehr ist sehr überschaubar. Der weitere Weg durch Frankreich wird dann doch deutlich feuchter. Wir haben die mautfreie Strecke gewählt, die landschaftlich durchaus reizvoll sein könnte, wenn es nicht so schütten würde.... Es regnet, wie sagt der Engländer so schön, Katzen und Hunde. Doch als wir die Hoffnung auf Wetterbesserung schon beinahe aufgegeben haben, kurz vor unserem Ziel in der Provence, reißt der Himmel plötzlich auf und die Sonne lacht uns an. Die Temperatur steigt schlagartig und damit auch unsere Laune. In Malaucène, unserem Etappenziel, ist es herrlich. Die Unterkunft ist prima, also verbringen wir den Abend auf der Terrasse. Traumhafte Gegend hier, der Urlaub beginnt...