Schnee am Strand - 17.01.2017

Schneefall an der Costa Blanca? Kaum zu glauben, aber so ist es! Die Berge des Hinterlandes strahlen im ungewohnten Weiß und selbst einige Strände sind mit einer dünnen Schneeschicht überzogen. Viele Kinder freuen sich über den ersten Schnee ihres Lebens, besonders, weil ja auch die Schule ausfällt. Weniger Spaß bei der unerwarteten Kälte haben die Leute ohne Heizung im Haus. Viele haben zwar eine Gasheizung, aber die Gasflaschenlieferanten kommen mit dem Liefern kaum nach. Und so manche Stadtverwaltung weiß auch nicht so recht, was man denn jetzt mit den glatten Straßen machen soll. Vorsichtshalber wird der Linienbusverkehr eingestellt. Nur die Stadt Denia geht souverän mit der ungewünschten weißen Pracht auf den Straßen um, schließlich verfügt sie über ein Schneeräumfahrzeug. Der letzte Einsatz liegt gut unterrichteten Quellen zufolge genau 30 Jahre zurück...

Silvesterlauf in Calpe - 29.12.2016

In Calpe findet der Silvesterlauf, ein 4 Kilometerlauf durch die Altstadt, bereits am 29. Dezember statt. Anmelden kann man sich nur übers Internet und ist für Ausländer ein bisschen schwierig, aber nach mehrfacher Konversation mit dem Veranstalter geht’s dann doch. Der Startschuss ertönt um 20:30 Uhr, dann flitzen wir mit den 400 Teilnehmern im Zickzack durch die festlich geschmückten Gassen. Es ist eine stimmungsvolle Veranstaltung mit familiärem Charakter, Eltern laufen zusammen mit ihren Kindern, viele rennen mit Weihnachtsmützen und einige Läufer haben sich sogar komplett verkleidet. Im Ziel können wir Aktiven uns mit heißer Schokolade und Churros stärken und in den Gassen und Bodegas steht man noch stundenlang zusammen. Fazit: Ein schöner sportlicher Jahresabschluss.

Brauchtum - 21.12.2016 

Maria, Josef und das Jesuskind, vielleicht noch die Heiligen 3 Könige. Spanische Weihnachtskrippen (Belén) unterscheiden sich von den deutschen kaum. Wenn da nicht dieser Cagon wäre! Meist hockt er mit heruntergelassener Hose hinter einem Gebüsch versteckt und verrichtet seine Notdurft. Ein „kackender Bauer“ in einer Krippe, einer höchst religiösen Angelegenheit? Jawoll! Der Cagon gehört seit etwa 300 Jahren tatsächlich zum Krippen-Inventar, er gilt sogar als Glücksbringer. Der Kot ist Symbol der Fruchtbarkeit, steht für das Düngen des Bodens und sollte den Bauern ein ertragreiches Jahr bringen. Früher waren es klassische Bauern-Figuren, inzwischen gibt es sogar moderne Cagon-Figuren, und man kann sich zum Beispiel Homer Simpson oder Donald Trump in seine Krippe stellen.

Canyon del Mascarat - 15.12.2016

„Der Canyon del Mascarat ist ein Trockenfluss, der innerhalb von Minuten eine reißende Wasserflut führen kann“, sagt der Geologe Oscar Navarro. Klingt ein kleines bisschen nach Abenteuer, also hingefahren und hinein in die tiefe Schlucht. Das am Einstieg noch breite Flussbett sieht recht harmlos aus, wir kraxeln also vorwärts. Es geht über loses Geröll und immer mal wieder liegen uns ein paar überwindbare Felsbrocken im Weg. Fenchel, Oleander und Disteln versuchen unsere Arme und Beine zu zerkratzen, während sich die ständig in die Höhe wachsenden Felswände seitlich permanent annähern. Jetzt stehen wir tief in der Schlucht und hoch über uns donnern Fahrzeuge über die Brücken der A7, der N332 und der Eisenbahn. Der Canyon verjüngt sich weiter, teilweise haben sich tonnenschwere Felsen ganz ulkig in luftiger Höhe verkeilt. Hier kommt kein Sonnenstrahl mehr hin und uns befällt ein leicht beklemmendes Gefühl. Die Felswände sind inzwischen nur noch einen Meter voneinander entfernt und plötzlich stehen wir am Ende der Schlucht. Hier tröpfelt es stetig. Das Rinnsal hat also eine Nachricht für uns: Der Canyon wächst weiter. Langsam, aber sicher.

Neues aus L'Alfas del Pi - 04.12.2016

Die folgende amüsante Ansprache des Bürgermeisters von L'Alfas del Pi in der offiziellen Broschüre der Stadtverwaltung sollte nicht unerwähnt bleiben:

„Der Reiseführer ist ein nützliches und einfaches Werkzeug, das von der Stadtverwaltung, von der ich Vorsitzender bin, sorgfältig ausgearbeitet wurde. Es ist ein genauer Reiseführer, der so weit wie möglich der Wirklichkeit entspricht. Von unseren gut 22.000 gemeldeten Einwohnern stammen 12.500 aus anderen Ländern und 2.500 aus Norwegen. Natürlich sind es in Wirklichkeit wesentlich mehr Personen und nach den Berechnungen könnten es in L'Alfas del Pi über 10.000 Skandinavier geben.“ Ja watt denn jetzt?

La Nucia - 20.11.2016

Jedes Jahr am dritten Sonntag im November feiern die Einwohner von La Nucia ihren Schutzpatron San Rafael mit einer kuriosen Prozession, um an die Unabhängigkeit der Gemeinde von der Stadt Polop zu erinnern. Das wollen wir uns mal anschauen. Die Leute haben sich feierlich gekleidet, die eine Hälfte bevölkert die Plaza Mayor, die andere Hälfte lauscht dem Gottesdienst. Punkt 13:45 Uhr geht es los. 20 kräftige Männer schultern das San Rafael-Heiligenbild samt Thron. Vier der Träger haben ihren Job bei der morgendlichen Versteigerung ergattert, und da es sich um eine traditionelle Veranstaltung handelt, wurde mit Peseten bezahlt. Jetzt wird’s kurios: Den Rhythmus der Prozession gibt ein Pyrotechniker vor, immer, wenn er Böller in den engen Gassen zündet, rennen (!) die Männer mit dem geschulterten San Rafael die Gassen bergauf. Die Gemeinde rennt fröhlich hinterher. Ziel der Prozession ist die Kapelle San Rafael, auf einem Hügel mit erstklassiger Fernsicht gelegen. Den Trägern sieht man den Stolz und die Strapaze gleichermaßen an, dafür werden sie entsprechend gefeiert, als sie mit dem Schutzpatron in der kleinen Kapelle ankommen. Die Freunde aus Polop müssen natürlich auch an die Unabhängigkeit erinnert werden, und so wird ein formidables Feuerwerk gezündet, was in den Bergen so wunderbar hallt.

Radtour um den Montgo - 3.11.2016

Die Sonne scheint, es ist also der geeignete Zeitpunkt für einen schönen Ausflug von Javea nach Denia. Die beiden Küstenstädte werden durch den Nationalpark Montgo getrennt, einem markanten 750 Meter hohen Felsklotz. Die Wanderung auf diesen Berg heben wir uns für später auf, heute fahren wir erstmal mit unseren Bikes im Uhrzeigersinn „unten rum“. Kaum haben wir die Innenstadt von Javea hinter uns gelassen, wird’s ländlich: Wirtschaftswege zerteilen Oliven- und Mandelbaumplantagen und wir radeln an Orangen- und Weingärten vorbei. Bewässerungs- und Trockenbodenwirtschaft trotzen hier noch der Monokultur. Sehenswerte Bauernhäuser und von Wind und Wetter geplagte Mühlenruinen säumen den Weg, bis wir das Einzugsgebiet von Denia mit seiner sehenswerten Altstadt erreichen. In den Sommermonaten kann man dann gemütlich per Boot zurück nach Javea fahren, der Sommer ist allerdings knapp vorbei. Macht aber nichts, unsere Bikes freuen sich auf ein paar zusätzliche Kilometer ...

 Barranco del Infierno - 01.11.2016

Das Bergdorf Fleix liegt ein wenig versteckt. Aber allein der Name des dort liegenden Wanderweges „Barranco del Infierno“ setzt Energie frei, die Ansiedlung mal aufzusuchen: Catedral del senderismo (Kathedrale der Wanderwege) nennt man den Trail achtungsvoll. Knapp 6.000 Stufen aus Natursteinen, teilweise schon stark zerbröselt. Den Weg muss man einmal im Leben absolviert haben. Sagen die Spanier. Und machen sich zu Tausenden im August auf, um stundenlang auf und ab zu wandern und zu klettern. Herausforderung angenommen, ab ins Auto und ins Hinterland. Der Parkplatz in Fleix ist unscheinbar, aber ein Infotafel zerstreut alle Zweifel: Wir sind am Ziel, bzw. am Startpunkt angekommen. Nach nur wenigen Minuten auf der Straße zweigt der Weg rechts ab und windet sich im Zickzack bergab. Schon jetzt bietet sich uns ein atemberaubendes Panorama in die Höllenschlucht. Eindrucksvolle Felsformationen umrahmen den steilen Abstieg in das wasserlose Flussbett. Unterwegs geht’s durch ein Felsentor und immer weiter bergab. Wieviele Stufen waren es bis jetzt, 800, 900 oder Tausend? Keine Ahnung! Vom Flussbett aus führt der Weg natürlich wieder bergauf, und zwar steil im Zickzack, Stufen zählen ist angesagt. Auf dem Gipfel kurz ein wenig Fernblick genießen, dann geht’s direkt wieder bergab bis in die Höllenschlucht. Auf halber Höhe entdecken wir ein gutes Plätzchen für ein Picknick, in der Sonne gelegen und mit bestem Blick auf Gipfel, Schlucht und die anderen Wanderer. Weiter geht's bergab, jetzt kann man nicht mehr von Stufen sprechen, rutschiges Geröll erfordert ein wenig Konzentration, dann sind wir wieder ganz unten, in der wasserlosen Höllenschlucht. An der gegenüberliegenden Bergflanke können wir erahnen, was noch auf uns zukommt, denn wir sehen vereinzelte Leute klitzeklein dort oben herumkraxeln. Als Ablenkung für die Anstrengung des Aufstiegs taugen die Betrachtungen der in die Bergwände gebauten Terrassen und natürlich die Blicke zurück auf das sich minütlich verändernde Panorama. Wieviele Stufen haben wir jetzt wohl schon absolviert, 4.000 oder 5.000? Keine Ahnung. Weiter geht’s bergauf, irgendwann ahnen wir den höchsten Punkt, der ist dann aber doch noch hinter dem nächsten Fels, und dann kommt noch einer...

Aber irgendwann ist es doch geschafft, wir erreichen das Dorf Benimaurell und zum guten Schluss passieren wir einen Brunnen und das immer noch im Betrieb befindliche Dorfwaschhaus, bevor wir von Kirschplantagen begleitet unseren Ausgangspunkt erreichen.

5:30 Stunden für 13,3 Kilometer. 

Concentaina – 31.10.2016

Der größte Mittelaltermarkt Spaniens findet seit 1346 (!) jährlich in der Altstadt von Concentaina statt und hat unser Interesse geweckt. Nun sind wir auf dem Weg dorthin. Wir schlängeln uns seit einer Stunde ununterbrochen Serpentinen hoch und runter, das ist die längste Achterbahnfahrt unseres Lebens. Nach geschätzt 1.000 Kurven sind wir endlich angekommen. Doch das bunte Treiben in den engen Gassen lässt uns die strapaziöse Anreise schnell vergessen. Unzählige Marktstände locken mit Kunsthandwerk, bekannte und fremde Gerüche von den Essensständen umschmeicheln unsere Nasen, aufwändig dekorierte Gassen, Bühnen und Häuserfassaden sowie die Händler, Musikanten und Gaukler in ihren mittelalterlichen Kostümen schaffen eine wahre Wohlfühl-Atmosphäre. Der Unterhaltungswert ist einfach klasse. „Der weiteste Weg lohnt sich!“ sollten Kuriere im ganzen Land kundtun...

Die Besteigung des Penyal d'Ifac – 24.10.2016

332 Meter hoch reckt sich der Ifach aus dem Meer empor. Bereits in der Antike diente der imposante Fels als Orientierungsmarke für Seefahrer. Hier siedelten Iberer, Phönizier, Römer und Byzantiner. Aktuell sind es sonnenhungrige Touristen. Egal, ob man im bergigen Hinterland unterwegs ist oder sich am Strand aufhält, das Wahrzeichen der Costa Blanca hat man stets im Blick. Klar, dass wir da mal hochklettern müssen. Anfangs geht es für Niklas, Susanne und mich über breite Natursteinstufen bergauf, nach der Durchquerung eines 30 Meter langen Tunnels verjüngt sich der Weg zu einem Pfad. Jetzt winden wir uns an der Bergflanke entlang, das türkisblaue Meer inzwischen weit unter uns. Der Trail wird unwegsamer, Felsrippen erschweren den sicheren Stand und vereinzelte Felsbrocken müssen mit Hilfe von Halteseilen umklettert werden. Die Fernsicht wird mit jedem gemeisterten Höhenmeter besser, aber wir konzentrieren uns lieber auf den Pfad. Dann ist's geschafft, vom Gipfel aus haben wir einen optimalen Blick auf das Treiben im Hafen direkt unter uns, auf die Küstenlinien nördlich und südlich des Ifach und auf die Bergketten im nahen Hinterland. 

Fiestas de Calpe - 16.10.2016

Drei Tage Spektakel. Calpe feiert das Mauren- und Christenfest 2016 und dass es seit 1744 keinen weiteren Piratenangriff gegeben hat. Das wird eindrucksvoll und sehr laut zelebriert. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen, wenn auch nur in Teilen, denn rund um die Uhr ist uns doch ein bisschen zu anstrengend. Die Programmpunkte sehen durchaus auch noch Festakte um 1.30 Uhr in der Nacht vor... Da haben wir jedoch schon selig geschlummert. Es gibt einen Aufmarsch der Musikkapellen, einen großen Umzug der Christen und Mauren mit eindrucksvollen Kostümen und theatralischen Auftritten und nicht zuletzt die Landung der maurischen Piratenboote mit der letzten Schlacht. Die Böller sind so ohrenbetäubend laut, dass einige Kinder Angst bekommen und zu weinen beginnen, die Hunde jaulen und nicht wenige Erwachsene sich nur noch die Ohren zu halten. Aber so ist das nun einmal in Spanien - Laut! Spaß gemacht hat es selbstverständlich trotzdem.