Der Countdown läuft - unsere Rückkehr steht bevor!  27.03.2012

Unsere letzten Stunden sind angebrochen. Wir machen noch ein wenig Bangkok unsicher, beobachten die Warnstreiks in Deutschland und hoffen, daß wir nicht noch in letzter Sekunde betroffen sein werden. Morgen geht es los, ab nach Hause... Wir hatten und haben immer noch eine wunderschöne Zeit. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen....

Thailand - März 2012

Thailand - Phuket und Bangkok  25.03.2012

Auf der Insel Phuket wohnen wir direkt neben einer Schule. Das morgendliche Wecken übernehmen also die Kinder, allerdings nicht mit ausgelassenem Geschrei, sondern in Form der Schulkapelle. Die fortgeschrittenen Musikanten stehen in ihren Schuluniformen vor dem Haupteingang und spielen Trompete oder schlagen auf Trommelfelle ein. Der Musiklehrer überwacht das Konzert und erklärt uns erfreut, dass dank dieser Lösung der Musikunterricht schon erledigt ist, bevor der eigentliche Unterrichtstag beginnt. Die Tempelanlage Wat Chalong wird von der Großen Pagode mit dem schönen Namen Phramahathatchedi-Jomthaibarameepragat dominiert. Dieses farbenfroh dekorierte Gebäude beherbergt einen Knochensplitter Buddhas, was für tägliche Besucherströme sorgt. Besonders beliebt ist Wat Chalong aber auch wegen seiner „Wahrsager-Tradition“. Gegen eine kleine Spende kann man einen Bambusbecher, gefüllt mit nummerierten Stäben rütteln. Die Nummer des ersten Stabes, der aus dem Becher fällt, führt zu ebenfalls nummerierten Schubladen, in denen Weissagungen stecken. Wie groß die Trefferquote ist, wird uns bald bewusst, denn die Gläubigen kommen, sobald die Vorhersage eingetroffen ist, zum Tempel zurück und lassen zum Dank Feuerwerkskörper in speziellen „Knalleröfen“ explodieren. Und so wabert ein steter Schwarzpulvergeruch über das Gelände, während es fast unentwegt kracht. Unsere Bergwanderung zum „Big Buddha“ wird dank der hohen Luftfeuchtigkeit zu einer schweißtreibenden Aktivität. Doch der Aufstieg lohnt sich nicht nur wegen der guten Aussicht auf die vielen Inseln der Andamanensee. Die 45 Meter hohe und mit Marmorplatten überzogene Statue ist ein Monument des Volkes, da sie rein aus Spendengeldern errichtet wurde. An diversen Verkaufsständen werden fertig gepackte Geschenkkörbe angeboten, die die Gläubigen den Dienern Buddhas überreichen. Aber ob die Mönche sich wirklich über Seifendosen, Wattestäbchen, Glühbirnen und Tütensuppen freuen? Eine der „grünen Lungen“ Bangkoks ist der Lumpini-Park. Sportler joggen auf den Wegen, verliebte Pärchen sitzen gemütlich am Seeufer und die Rasenflächen werden für Picknicks genutzt. Am Rande des Parks befindet sich das Lumpini-Stadion, hier finden die Kämpfe der besten Thaiboxer statt, und zwar stets vor stimmungsvoller Kulisse. Der Besuch lohnt sich selbst dann, wenn man für den Nationalsport Thailands nicht viel übrig hat. Ein Orchester sorgt für exotische Töne und die Atmosphäre auf den Rängen ist schon vor Beginn der Kämpfe aufgeladen. Denn bevor es los geht, werden Wetten auf die Sieger abgeschlossen. Die „Zocker“ stehen im Publikum und suchen ihre Partner auf entfernten Tribünen per Blickkontakt. Wetteinsatz und Favorit werden per Handzeichen signalisiert. Sobald der Kampf beginnt, werden die Athleten lautstark angefeuert, schließlich geht es nicht nur um die Ehre. Nachdem der Verlierer senkrecht oder waagerecht den Ring verlassen hat, wird der Einsatz auf unkonventionelle Art ausgezahlt: Die Geldbündel werden einfach von Hand zu Hand durchs Publikum weitergegeben, bis sie den Wettgewinner erreichen. Der verzieht kaum eine Miene, denn er sucht auf den Tribünen ja schon seinen nächsten Wettpartner...

Thailand - Hua Hin  20.03.2012

Willkommen im Jahr 2555, willkommen in der Gegenwart. In Thailand wird, wie bei uns auch, der gregorianische Kalender benutzt. Allerdings begann die Zeitrechnung in Siam bereits mit dem Tod Siddhartha Gautamas, der als Buddha einen bemerkenswerten Bekanntheitsgrad erlangte. Dieses Wissen hilft uns beim Ticketkauf für eine zehnstündige Busfahrt jedoch wenig. Das auf dünnem Papier ausgedruckte Dokument weist außer Thai-Schriftzeichen nur das Abfahrtsdatum auf - eben das Jahr 2555. Englisch ist an diesem Provinzbusbahnhof so hilfreich wie die kölsche Mundart, nämlich gar nicht. Wir vertrauen also dem Ticketverkäufer und machen es uns im Bus bequem. Ein überlauter Actionfilm verhindert entspanntes Schlummern, dafür stimmt tatsächlich die Fahrtrichtung. Nachts um 1:30 Uhr werden wir unsanft geweckt, denn ein riesiger Schlemmerpalast, hell erleuchtet wie die Cranger Kirmes nach einem Schalker Heimsieg, erwartet hungrige Gäste. Unsere schläfrige Appetitlosigkeit ist die Ausnahme, die meisten Passagiere der unentwegt eintreffenden Busse drängen zielstrebig an die Tische. Wir verteten uns kurz die Beine und suchen die Toilette auf. Die Sanitäranlagen können jedoch nicht mit dem modernen Verkaufstempel mithalten. Statt der erwarteten Wasserspülung gibt es die traditionelle, ländliche Variante: Einen wassergefüllten Plastikeimer mit einer Schöpfkelle.

Die weitere Fahrt verläuft reibungslos und noch vor Tagesanbruch werden wir in Hua Hin abgesetzt. In der Morgendämmerung wandern kahl rasierte Mönche barfuß durch die Straßen. Gläubige Buddhisten bieten ihnen Reisgerichte an und sprechen Dankgebete, wenn die Geistlichen die Spenden annehmen. So ist beiden Seiten geholfen, die mildtätigen Bürger haben einen weiteren Schritt zu einer besseren Existenz bei ihrer Wiedergeburt gemacht und die Mönche müssen nicht hungern.

Ein paar Straßen weiter kündigt ein Plakat in Thai-Schriftzeichen die Austragung eines Fußballspiels an - so haben wir es zumindest interpretiert. Doch statt eines brisanten Derbys findet die Saisoneröffnungsfeier mit Spielerpräsentation des "Hua Hin City FC" statt. Da wir die einzigen exotischen Besucher des Festgeländes sind, werden wir kurzerhand als "Maskottchen" adoptiert und in das Mannschaftsfoto integriert. Zu den Klängen der Champions-League-Melodie schiessen die Journalisten eifrig Fotos. "Ein bisschen deutsche Entwicklungshilfe kann unserem aufstrebendem Team sicher nicht schaden", meint der Manager augenzwinkernd.